Pothead Live im Huxleys am 21.01.2023

Freitag, 20.01.2023, morgens:
Ich fühl' mich wie eine Sechsjährige zu Weihnachten, die weiß, dass in einem der schön eingepackten Kartons das lang ersehnte Geschenk ist. Morgen spielen endlich wieder Pothead im Huxleys und heute kommen die ersten Gäste an. Mein Mister und ich fegen durch die Wohnung, feudeln durchs Bad, schütteln die Betten auf - alles während die frisch remasterte "USA" unsere Nachbarn erfreut.

Weiterlesen …

Kurz vor knapp sind die Silberlinge, die neuen Shirts und die Poster geliefert worden. Mein Mister hat mit Jeff zusammen über 200 Buttons gemacht, über 100 Poster gerollt, Shirts gefaltet und viele Kisten für den Verkauf gepackt und so können wir jetzt schon mal in die CD reinhören. Die Wartezeit bis unsere Gäste eintrudeln wird verkürzt mit unzähligen WhatsApp- und Facebook-Nachrichten: "Wann ist denn morgen Einlass?" "Juhu, morgen sehen wir uns! Wir freuen uns schon so!" "Pothead morgen in Berlin - wir kommen!" "Gibt es wieder Original-Tickets?" Fast jedes Pothead-Album erscheint wenigsten einmal in irgendeinem Status. Ist wirklich wie Weihnachten und Silvester.

Samstag:
Backstage im Huxleys gibt es eine neue Kaffeemaschine. So ein Hipsterteil, das 5 verschiedene Kaffeesorten und heißes Wasser aus frischen Kaffeebohnen kochen kann. Ich hoffe, dass sich unter "Flat White" der von Susi gewünschte Kaffee mit Milch verbirgt. (Tatsächlich handelt es sich um einen Espresso mit feinporigem Milchschaum, der im Gegensatz zum Cappuccino flach ist. - Wie konnte diese grandiose Rezeptur bisher an mir vorbeigegangen sein???) Einen einfachen Kaffee kann ich in diesem Fall nicht nehmen, weil nur Hafermilch bereitsteht. Wer einen Latte Macchiato haben möchte, sollte Zeit mitbringen: zwischen jedem Brühgang informiert die Maschine über die entsprechende Pausenzeiten. Ich kann ihr einen einfachen Kaffee, einen Flat White und eine Latte abringen, dann möchte sie Wasser nachgefüllt bekommen und gereinigt werden. 3 Sekunden denke ich darüber nach, ob ich ihr ihre Wünsche erfüllen soll, glaube aber nicht, dass meine Versicherung die Zerstörung der Maschine übernehmen würde und überlasse sie ihrem Schicksal. Mit einer einfachen Kaffeemaschine hätte ich meine Sozialkompetenz unter Beweis stellen können und nachfolgenden Kaffeejunkies frischen Kaffee ermöglicht, aber dieses Hipsterteil macht mich zum Flüchtling mit schlechtem Gewissen. Der auf mich wartende Zimtdonut tröstet und macht vergesslich.

Bis zum Soundcheck scheint es noch eine Weile zu dauern, mein Mister ist noch mit Bernadette zusammen mit dem Aufbau des Standes beschäftigt. Da es außer eine Rolle Gaffa (Klebeband) ein paarmal durch die Halle hin und her zu tragen nix für mich zu tun gibt, schaue ich mal schnell unten auf dem Parkplatz, wer schon da ist. Als ich mich endlich aus Kunis schön warmen Camper wieder rausquäle, ist der Soundcheck grade vorbei.

Ich gehe ein paar Reste vom Buffet essen und quatsche noch mit dem einen oder anderen, dann ist auch schon Einlass und eine kurze Frage von meinem Mister erinnert mich daran, dass ich eigentlich sehr wohl was zu tun gehabt hätte: "Hast du die Kamera aufgebaut?" .... Es handelt sich um Jeffs Kamera und ich hatte bisher nicht das Vergnügen. Es stellt sich heraus, dass Jeff selber da noch was einstellen muss - das Volk strömt bereits in die Halle - und dafür natürlich wenigstens ein wenig Licht auf der Bühne braucht. Also schnell mal Jürgen vom Buffet wegzerren, der dann den zufällig gleichzeitig am Schlagzeug stehenden Robert nun wunderbar anleuchtet, damit Jeff die Kamera einstellen kann, die ich zu spät aufgebaut habe. Alle haben mich lieb.

Als endlich alles startklar ist, werden Bernadette und mein Mister von kaufwilligen Fans umlagert und die Halle ist schon gut gefüllt. Die restliche Zeit verbringe ich damit Freunde und Bekannte zu begrüßen und Jacken Backstage zu tragen.

Brad, Jeff und Robert betreten die Bühne superpünktlich vor ausverkauftem Haus. Man merkt auch gleich, dass die 3 Potheads sich sehr auf diesen Abend gefreut haben. Einige Songs von der grade so schön aufpolierten "USA" lassen das Programm so richtig krachen.

Nach dem Konzert sind alle ganz begeistert und happy, seltsamerweise lässt die Euphorie aber während des Konzerts ein wenig auf sich warten. Sicher wäre auch noch eine 3. Zugabe möglich gewesen, wenn sie denn ordentlich eingefordert worden wäre. Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Alle sind glücklich und zufrieden und der "Souvenirverkauf" brummt. Das übliche Rausschieben des Publikums aus der Halle findet heute toller Weise nicht statt. Das entschlackt auch den Backstage-Bereich, in dem es zeitweise sowieso an ausreichend Bier mangelt. Bis ca. 1.00 Uhr oder so können wir noch gemütlich Bierchen trinken in der Halle, dann machen sich die meisten von alleine auf den Weg. Der Rest trifft sich dann auf dem Sofa im Backstage. Dort gibt es inzwischen auch wieder Bier und es liegen noch ausreichend leckere Lebensmittel herum.

"Möchten Sie einen Cheesecake?"

"Lassen Sie mich mit einer Gewürzgurke antworten."

"Sind Sie schwanger?"

"Da müssen wir den Rollmops fragen."

Diesen Dialog führe ich mit einem mir seit längerem bekannten Herrn mittleren Alters. Aufgrund unserer kulturellen Bildung und einem Hohen Grad an sozialer Kompetenz können wir - spontan - jederzeit solch intelligente Loriot-Gespräche führen. Zugegeben, die späte Stunde, etwas Restadrenalin und ein kleiner Anteil alkoholischer Substanzen fördern diese Fähigkeit enorm. Leider ziehen wir mit dem anschließenden debilen Lachanfall die Aufmerksamkeit der restlichen Gäste auf uns und sind nun in Erklärungsnot. Zum Glück ist es bereits 3.00 Uhr und wir werden freundlich und ein bisschen flehentlich gefragt, ob wir diese Party denn vielleicht bald beenden könnten. Selbstverständlich dauert es wieder gut eine Stunde, bis endlich alle das Huxleys verlassen haben. Das war ein extrem schöner Abend. Unser Dank geht an die Huxleys-Crew - noch richtig abfeiern zu können nach dem Konzert ist wirklich toll, alle waren wieder total nett, das Essen lecker … und ja, der Kaffee war auch gut.

Pothead in der Markthalle Hamburg 17.09.2022

Hamburg feiert Hafenfest, weswegen so gut wie alle Hotels ausgebucht oder total überteuert sind. Gefühlt am Stadtrand ist noch was frei und bezahlbar. Wir sind uns natürlich schon deswegen im Klaren, dass wir Abstriche werden machen müssen. Mein Mister und ich haben als Einzige ein Doppelzimmer und müssen in den obersten Stock. Wir betreten eine Art Monteur-Wohnung.

Weiterlesen …

Zwei Zimmer sind verschlossen, genau wie die Küche. Unser Zimmer ist riesig und wir werden uns wohl entfremden, weil unsere Betten meterweit auseinanderstehen. Die Möbel haben einige Jahrzehnte auf dem Buckel aber ... es ist alles blitzeblank sauber. Das Badezimmer lässt uns vermuten, dass hier mal mehr oder ganz Anderes geplant war: eine mit Teppich ummantelte Badewanne mit Whirlpool, die wir aber leider nicht benutzen dürfen, ein Bidet, ein Doppelwaschbecken und eine Dusche mit Wellnessdüsen, die aber auch schon etwas lädiert zu sein scheinen. Egal, ist eh keine Zeit für übertriebene Körperhygiene und wir wollen ja auch Wasser sparen. Aber auch hier ist alles super sauber. Wichtigste Anforderung erfüllt, da wollen wir nicht meckern. Die zweit wichtigste wird allerdings zum Problem: Frühstück wird hier nicht serviert.

20 Minuten müssen wir noch durch Hamburg fahren, bis wir an der Markthalle sind, Alleingänge wird es heute wohl nicht geben.

Wir freuen uns sehr wieder in der Markthalle zu sein. Mein Mister verschwindet gleich in seiner Ecke für den Merchstand, ich geh erst mal Backstage.

Mein Blick fällt auf die Kaffeemaschine: Einladend steht sie da, mit geöffnetem Filter, die Filtertüte bereits drin, die Zuckerstückchen lächeln einen an, die Kaffeetüte daneben.... ist fast leer. Neuen Kaffee besorgen dauert fast 20 Minuten, weil es viel zu schwatzen und herumzualbern gibt. Natürlich reißt die Tüte so auf, dass ein Teil Kaffeepulver durch die Gegend fliegt. Das vermengt sich dann auch gleich mit dem Wasser, dass ich beim Eingießen verschütte, weil das wieder so eine Kanne ist, wo alles daneben läuft, wenn man zu schnell kippt. Wasser läuft auch auf die einzeln verpackten Zuckerwürfel, die ich nun schnell abtrocknen muss. Die Maschine erweist sich auch als eher langsam. Alles in allem ist der Kaffee dann nach guten 45 Minuten endlich fertig. Leider können wir ihn nicht trinken, weil keine Kaffeebecher da sind (auch nix ähnlich Verwendbares). Nun noch 10 Minuten Becher besorgen und schon gibt es einen frisch gebrühten Kaffee! Seltsamer Weise habe ich nicht mal das Gefühl, die letzte Stunde könnte verschwendet gewesen sein. Eine Stunde Kaffee kochen Backstage in einer meinen Lieblingslocation mit lauter Lieblingsmenschen, mit der Aussicht auf einen tollen Abend, da hab ich schon ganz anders Zeit verschwendet.

Nun wieder durch die ganze Halle, meinem Mister den Kaffee bringen und gucken, ob ich ihm helfen kann. Aber hier ist fast alles schon fertig und wir können beim Soundcheck lauschen.

Neu dabei ist heute Lutz als Nachfolger von Steffen am Ton und Chris ist mal wieder als Backliner dabei. In der Halle klingt alles sehr gut, auf der Bühne haben mal wieder alle was an den Ohren, wodurch der Einlass sich etwas verzögert.

Die Halle füllt sich mäßig, wir hören von einigen, dass sie alleine gekommen sind, weil ihre sonstigen Begleiter krank sind oder wegen der Ansteckungsgefahr lieber nicht mitkommen wollten. Zum Glück gibt es aber noch genug Livemusik-Junkies und so sieht die Halle am Ende doch gut gefüllt aus. Mal wieder ein bisschen Platz zu haben und nicht immer den Atem des Hintermannes im Nacken zu spüren ist ja auch ganz nett. (Apropros Junkies: Wir haben uns sehr gefreut, die beiden Pothead-Junkies Susi und Olli mal wiedergesehen zu haben!) Die Stimmung ist ein wenig zurückhaltend aber glücklich. Es fühlt sich so nach homogener Masse an und so gibt es statt wildem Rumgepoge diesmal einheitliches Klatschen und Indianerchöre. Diese schöne entspannte Euphorie sorgt für eine ausgesprochen gutgelaunte Band und 2 Zugaben. Nach dem Konzert bleiben

noch viele eine Weile da, trinken noch ein Scheidebier und philosophieren ein wenig miteinander. Auch am Merchstand führen wir eine Menge Gespräche.

Backstage ist gut was los und die Stimmung super. Wir sind aber auch recht müde und Chris muss am Sonntag um 15.00 Uhr schon wieder von Potsdam aus zum nächsten Job fahren.

Also mahnen wir zum Aufbruch. Jeff ist auch dafür, nimmt sich aber erstmal noch ein Bier.

Es kommt jemand vom Markthallen-Team und bittet um baldigen Aufbruch. So langsam stehen alle auf und…. nehmen sich noch ein Bier. Erneut wird um Aufbruch gebeten – man kann sein Bier ja auch vorne austrinken. Dort sind noch ein paar Leute hinter der Bar und geben noch ein paar Drinks über die Theke… und noch ein paar… und noch ein paar…

Die Verabschiederei dauert am Ende mehr als eine Stunde aber irgendwann nach der 8. oder 9. Aufforderung schaffen wir es dann doch zu den Bussen. Gegen 3.00 Uhr liegen wir dann in den Betten, um 9.00 Uhr geht es wieder zum Bus.

Dummerweise findet in der Umgegend irgendein Rennen oder sowas statt, weswegen mehrere Straßen gesperrt sind – natürlich die, die wir befahren wollen, um aus Hamburg rauszukommen. Wir irren gut eine halbe Stunde hin und her, bis wir endlich zur Autobahn kommen. Das bisher noch fehlende Frühstück haben dabei alle aus den Augen verloren.

Ich bin Hobbit, ich muss alle 3 – 4 Stunden was essen, vor allem morgens. Aber auf Einzelschicksale wird in einem Bandbus keine Rücksicht genommen. Also maule ich so vor mich hin und esse das plattgedrückte Vanilleteil, was wir vor 24 Stunden bei Lidl gekauft haben.

Kurz vor Berlin geht es wieder langsamer voran. Wir müssen erst zum Studio, den kleinen Bus abstellen, dann zum Büro, die Kartons mit den Shirts und CDs etc. ausräumen. Dann geht es weiter Brad nach Hause fahren und dann zum Parkplatz vom Sprinter. Hier kann sich dann auch Chris endlich verabschieden und mit einer Verspätung von einer Stunde endlich nach Potsdam düsen. Nach dem Konzert ist vor dem Konzert.

 

 

Pothead im Bielefelder Forum am 04.06.2022

Gibt's doch nicht, Bielefeld: Was für ein geiler Abend!

Unser Tag beginnt in der Plattenhalle in Gütersloh. Eine Stunde und 100 € später haben wir eine Einkaufstasche voll Secondhand-Vinyl und ich bin glücklich. Wir müssen uns sputen, der Mister muss wieder den Merchstand betreuen, um 15.00 Uhr ist Arbeitsbeginn :-)

Weiterlesen …

Wir haben die Tage wieder unser Lager bei Zerosusi und Benny aufgeschlagen, Hilfe bei der Potstock-Wundertüten-Befüllung, erstklassige Ernährungslage und Fahrdienst inbegriffen. So sind wir pünktlich am Forum. Die Potheads sind schon da. Allerdings nur zu Viert. Licht und Ton wird heute von der Forum-Crew übernommen. Nur der Backliner Steffen Klimt ist dabei. Auf dem Parkplatz stehen schon ein paar bekannte Camper rum:
Das Sauerland ist bereits eingetroffen, die Hamburger Anja und Roland sind schon da und auch Kuni ist am Start. Damit ist auch hier die Versorgungslage super: Wir bekommen gleich ein gut gekühltes Bierchen in die Hand gedrückt und stoßen erstmal alle sehr glücklich darauf an, dass wir endlich mal wieder zusammen sind. Angelika serviert leckere Lachsschnitten, so ist auch für eine ordentliche Basis gesorgt. Manchmal ist eben der beste Platz der Welt ein doofer Parkpkatz und eine kleine Konzerthalle in einer Stadt, die es nicht gibt.
Der Stand ist schnell aufgebaut, mein Mister geht Backstage essen. Benny, Susi und ich schaffen es uns auf dem 170 m weiten Weg zum Burgerladen zu verlaufen, werden aber mit ganz leckeren Bowles belohnt. Meine erste Bowle und ich muss drüber nachdenken.
Darin ist eigentlich nix, was man nicht auch einfach auf einen Teller packen könnte. Ein großer Teller hätte auch den Vorteil, dass nicht alles über den Schüsselrand quellen und sich auf dem Tisch verteilen würde. Wahrscheinlich bin ich einfach nicht hip genug. In 15 Jahren weiß ich den Vorteil vielleicht zu schätzen, wenn man das Essen direkt aus der Schüssel in den Mund schaufeln kann und da sieht dann auch jeder mitleidig über den Dreck auf dem Tisch hinweg. Ich beschließe, dass ich zu jung bin für Bowles und bin zufrieden.
Zurück im Forum wummert der Soundcheck mit erstaunlich vielen Dezibel durch die kleine Halle. Irritierender Weise wird sich Robert eine Stunde später bei meinem Mister ein paar Ohrstöpsel abholen. :-)
Die Türen öffnen sich um 19.00 Uhr und mein Mister hat gleich gut zu tun. Ein Thema des Abends wird sein, dass Frauen-Shirts nun mal tailliert sind und sich daher auch in 4 XL nicht so gut über einen männlichen Bierbauch ziehen lassen. Da zurzeit alle Druckereien gut zu tun haben, schleift der T-Shirt-Nachschub etwas und einige Größen bei den Männer-Shirts sind ausverkauft. Aber anstatt die Frauen-Shirts überzustrapazieren, sollte man lieber auf den Onlineshop zurückgreifen und ein bisschen Geduld haben.
Brad, Jeff und Robert kommen sehr gut gelaunt auf die Bühne und schon nach einer halben Stunde sind in der Halle gefühlt 60 Grad. Die Setliste löst sich in Schall und Rauch auf und die sich frei entfaltende Energie meint man mit den Händen greifen zu können.
Entsprechend super ist die Stimmung, wenn auch so manch einer aufgrund der Wärme nach Abkühlung vor der Halle sucht. Drei Zugaben gibt es, der laut gebrüllten Bitte nach einer Vierten wird nicht mehr stattgegeben. Auch die Potheads sind inzwischen gut durchgegrillt und wahrscheinlich weiß auch keiner der 3 mehr, welche Songs sie nun gespielt haben und welche nicht. Es wurde wieder viel gejamt und frei erfunden, wer es nicht im Gedächtnis behält wird es nie wieder hören. Es wird diskutiert, da wäre viel Ozzy und Judas Priest drin gewesen. Ich habe keine Ahnung, energetisch wars, das reicht mir.
Vieles blieb heute im Dunkeln aber Energie-Vampire wie ich sind auf jeden Fall auf ihre Kosten gekommen. Den so gut aufgetankten Energievorrat muss ich dann auch gleich wieder anzapfen: Viele Autogramm und Foto-Wünsche treiben mich immer wieder die Treppe zum Backstage hoch. Der Weg führt unglücklicher Weise durch die Bar und ist mit einer Holztischklappe blockiert. Jedes Mal müssen Alle ihre Gläser und Flaschen wegräumen, damit ich die schwere Holzplatte anheben und durchlaufen kann. Es ergibt sich dann aber eine gewisse Routine und schon bald wird die Klappe automatisch hochgehoben wenn ich komme. Vielen Dank dafür, ich hätte sonst wohl einen Tennisarm bekommen. Aber was macht man nicht alles um Menschen glücklich zu machen :-)
Die verbliebenen Merch-Artikel sind schnell eingeräumt, länger dauert es, die letzten glücklich Schwärmer aus der Halle zu fegen.
Auf dem Parkplatz ist die kleine Party-Ecke bereits voll - was auch für einen Teil der Beteiligten gilt. Jeff kommt auch noch vorbei, grade rechtzeitig um Anja zum Geburtstag zu gratulieren. Brad ruft auch noch Grüße durch den Zaun, geht dann aber ins Hotel. Als wir gegen 2.00 Uhr aufbrechen, steht Jeffs kleiner Rollkoffer etwas verloren zwischen den Campern. Aus dem Auto von Roland und Anja hört man die Flaschen klirren und kleine Rauchschwaden suchen sich den Weg nach draußen.
Ein glücklich machender Abend geht zu Ende und wir freuen uns alle aufs Potstock - sind ja nur noch 3 Wochen!!!!

Weitere Fotos auf Flickr

Konzert-Bericht aus Erfurt - 09.04.2022

Im Sprinter herrscht heute gute Laune. Es wird gelacht und Späßchen gemacht. Der Abend gestern hat allen gut getan. Jeff sieht zwar am Anfang des Tages noch ein wenig durchnächtigt aus, regeneriert sich aber recht schnell. Auf der Strecke von Dresden nach Erfurt fahren wir durch etwa 6 unterschiedliche Regengüsse. In Erfurt strahlt das HsD in der Frühlingssonne. Von unserem Hotelzimmer können wir vom 12. Stock einen wunderschönen, sonnigen Blick über die Stadt genießen. Mein Mister hat Hummeln im Hintern und geht schon mal vor ins HsD. Er ist etwa 2 Minuten weg, da fängt an zu hageln. Ich gehe, als die Sonne wieder rauskommt. 😊

Weiterlesen …

Wir bauen den Stand wieder auf. Den Mangel an T-Shirts kompensieren wir, indem wir das, was wir noch haben, besonders schön nach vorne drapieren. Da ist es auch ganz praktisch, dass wir heute nicht mehr so viel Platz haben wie gestern. Uns gegenüber hängt Reiner vom Museumskeller einige lustige Shirts auf.
Der Museumskeller ist ja hier eine echte Institution und wir freuen uns schon drauf, wenn wir nach dem Konzert wieder alle rübergehen. Mein Mister und Reiner quatschen eine ganze Weile miteinander, am Ende gibt es noch ein Shirt geschenkt. Dafür noch mal vielen Dank!
Die Halle füllt sich, auch ein Teil der Party-Gemeinde von gestern trifft ein. Roland hat wieder alle sieben Sachen beieinander. Anja hat sich den Vormittag über einiger Nahrungsmittel von gestern Abend entledigt,sieht aber wieder ganz fit aus. (Ganz wichtig: Nicht in ein Sieb kotzen!) Kuni sehe ich erst kurz bevor das Saallicht ausgeht.
Auch heute ist gleich super Stimmung – aber heute geht es dann auch so richtig ab. Generations-Pogo sorgt dafür, dass bereits beim 3. Song in den vorderen Reihen viel mehr Platz ist. Ich mache mir kurzfristig ein bisschen Sorgen. Nicht das jemand stürzt... Aber es ist Platz und man passt trotz Tanzerei aufeinander auf, also Schluss jetzt mit den ganzen Bedenklichkeiten! Und plötzlich ist es wieder da dieses DURCHDREHEN- DURCHDREHEN-Gefühl. Ich muss erstmal alle umarmen – naja, nicht wirklich alle – aber wenigstens Roland und Anja und meinen Mister und Kuni. Und... ich gebe es zu ... ich habe ein paar Tränchen vergossen. Später im Museumskeller, als ich auf mein Bier warte, offenbart mir mein Tresennachbar, dass auch ihm ein paar Tränen entfleucht sind. Und ich möchte wetten, dass wir nicht die Einzigen waren.
Das dieser Abend besonders gut ist, merkt man spätestens, als wir mal wieder in den Genuss eines Songs kommen, den keiner kennt. Es werden im Laufe des Abends sogar mehrere werden. Ich will mich bei Jürgen vergewissern. Ich habe nicht immer alle Pothead-Songs auf dem Schirm – sicher bin ich nur bei denen, die auf der Setliste stehen. Jürgen guckt komisch und murmelt, dass er schon längst nicht mehr weiß, was da vorne gespielt wird – aber klingt doch gut. Jepp, willkommen bei einem richtig guten Pothead-Abend. An den Blicken von den drei Potheads lässt sich erkennen, dass zwischendurch auch ordentlich gejammt wird.
Ick bin glücklich. Endlich wieder ein ganz normaler, geiler Abend. Mindestens 5 mir fremde Personen schreien mir ins Ohr wie toll das ist und wann ihr erstes Pothead-Konzert gewesen ist. Ein leichter Tinnitus stellt sich ein.
Nach dem Konzert gibt es ein paar Autogrammwünsche, jedes Mal mit mehr oder weniger langen Lebensgeschichten dazu. Ich mag das gerne. So weiß ich nun auch, dass vor 14 Jahren Anfang April Anika geboren wurde und ihr Papa zwei Tage später auf einem Pothead-Konzert für sie ein Kinder-Shirt gekauft hat. Das hat er dann immer wieder gemacht, wenn Pothead in Erfurt gespielt hat. Nun mit 14 dürfte sie heute das erste Mal mitkommen. Papa hat ein Poster für Autogramme mitgebracht, die ich ihm natürlich gerne besorge. Brad und Jeff freuen sich sehr, als ich ihnen die Geschichte erzähle.
Vor und im Museumskeller ist es voll. Alle versichern sich, was das für ein geiler Abend ist. Viele Biere und ein paar Cuba Libres später – so gegen 3.00 Uhr – müssen wir eine Entscheidung treffen: Komasaufen oder Schluss machen? Wir entscheiden uns fürs Hotelbett, schließlich müssen wir morgen wieder nach Hause, auspacken, Autos tauschen, Lotte abholen...
PS: Irgendjemand erzählt mir später, dass im Fußboden des HsD, dort wo so viel gepogt wurde, nun leider ein Loch ist.
ROCK ON!

Weiter Fotos auf Flickr

Es geht wieder los!

Pothead April 2022 - 08.04.2022

Lotte muss kacken.

Dagegen ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber das muss ja nicht unbedingt jetzt sein.

Es ist 9.00 Uhr, um 10.00 Uhr sind wir mit Jeff im Pothead-Büro verabredet. Bis dahin müssen wir Lotte bei meinen Eltern abgeben, unser Auto gegen den Pothead-Sprinter tauschen und dann zum Büro fahren. Das alles Freitagvormittag quer durch die Berliner City. Bis eben waren wir in der Zeit aber nun muss der kleine Hund dringlich und findet keinen Platz dafür. Nach minutenlangem Hin- und Hergelaufe entscheidet sie sich vor die Tür des Nachbarhauses zu kacken - genau in dem Moment als ein älterer Herr mit Stock das Haus verlassen will...

Weiterlesen …

Nach einer halben Minute Fahrt kommt uns in einer sehr engen Straße ein Müllauto entgegen und nur drei Straßen weiter fährt vor uns ein Fahrschulauto, offensichtlich die erste Stunde. Als wir endlich beim Büro ankommen, steht ein Umzugswagen direkt in der Einfahrt. Da rechts und links Motorroller stehen, haben wir nicht mal ordentlich Platz um die Kartons mit den Shirts und CDs etc. vorbeizutragen. In der ganzen Straße gibt es keine Lücke.
Gut, dass für das Wochenende nicht so viel Merch geplant ist wie früher. Siggi ist nicht mehr dabei. Nach 28 Jahren Arbeit für Pothead als Managerin, Bookerin, Merch-Verkäuferin, Büroangestelte, Buchhalterin und was sonst noch angefallen ist, haben die Umstände der letzten Jahre dafür gesorgt, dass sie nun einen ganz anderen Job hat, der weniger stressig ist und ihr gut gefällt.
2 Jahre Planungsunsicherheit wegen der Pandemie und den für Konzerte mühevoll zu händelnden Regeln haben es schwer gemacht Ersatz zu finden. Mein Mister hat an diesem Wochenende frei und freut sich darauf als Merch-Verkäufer einzuspringen.
Wir fahren zum Studio, wo wir endlich auch alle anderen treffen. Brad und Robert haben wir in den zwei Jahren nur zweimal gesehen, Backliner Steffen und Lichtmann Jürgen auch nur ein paar Mal. Tonmann Steffen Heinrich ist leider ausgerechnet jetzt verhindert und hat seinen Kollegen Detta als Vertretung geschickt. Wir freuen uns sehr, wieder mit auf Tour gehen zu können und alle wiederzusehen. Verdrängt hatten wir allerdings, dass vor dem Vergnügen die blöde Schlepperei und Packerei ansteht. Ein bisschen fasse ich auch mit an aber dann schmerzt das Knie und bevor der Rücken auch anfängt, werden die Cases sowieso zu schwer. Also versuche ich wenigstens nicht im Weg zu stehen. Ja, ich weiß, ein bisschen Fitnesstraining würde sich neben dem Bürojob gut machen, aber nicht im Weg zu stehen kann auch anspruchsvoll sein.
Die Stimmung während der Fahrt nach Dresden ist verhalten. Jeder hängt so seinen Gedanken nach. Zwei Jahre herrschte Stillstand, zwischenzeitliche Sinnkrisen und Existenzängste inbegriffen. Bis vor zwei Wochen war nicht mal wirklich klar, ob das dieses Wochenende was wird. Und nun werden in ein paar Stunden Pothead wieder auf der Bühne stehen in einer gut besuchten Konzerthalle - ohne Abstands- und Maskenregeln. Wir sollten eigentlich alle ganz euphorisch sein, aber noch ist es eher komisch - eben noch nicht real. Wie wird der Abend heute? Werden auch alle kommen? Sind alle gesund geblieben oder hat es jemanden aus den Latschen gehauen? Wird die Stimmung so sein wie früher? Will überhaupt noch jemand Pothead hören? - Ja, ich weiß, das ist wirklich eine blöde Überlegung, aber 2 Jahre weg vom Fenster, lassen nun mal komische Gedanken aufkommen.
Zum Glück verläuft die Fahrt ohne Staus und ist deswegen kurz. Ehe wir uns zu sehr in unsere Gedanken verwursteln können, sind wir vor dem Alten Schlachthof, müssen ausladen, ist das Essen fertig und auch schon gegessen, der Merchstand aufgebaut und draußen werden die ersten Konzertbesucher gesichtet.
Da der Stand schon aufgebaut, der Soundcheck aber noch nicht angefangen hat, gehen mein Mister und ich schnell rüber in das Reich von Hausmeister Uwe ... und da ist die Hütte schon voll! Wie schön wieder in verrauchter Kneipenatmosphäre auf eine Horde Gleichgesinnter zu treffen und mit einem gepflegten Radler (ja, der Abend wird schließlich lang) anzustoßen. Das Emotionslevel steigt...

Pothead – Konzert-Bericht aus Dresden – 08.04.2022

Soundcheck – für mich immer der beste Teil unserer Exkursionen mit Pothead. Fast alleine in der Halle zu stehen und das volle Brett um die Ohren gehauen zu bekommen, fand ich richtig toll. Heute stehe ich im Alten Schlachthof und kann das nicht genießen, weil mir die Leute fehlen. Das hat noch sowas von Lockdown. Plötzlich überkommt mich eine große Müdigkeit. Ich nutze die Chance, die mir der Soundcheck bietet und lege mich Backstage ein wenig aufs Sofa. „Das muss sich dringlich wieder ändern“, denke ich und nicke ein.
Nach 20 Minuten Power-Napping schleiche ich immer noch müde zu meinem Mister an den Stand, grade in dem Moment als Uwe die letzten Masken- und Abstandsschilder von den Türen entfernt. Gleich werden die Türen aufgemacht und dann...
...füllt es sich erstaunlich schnell. Einige entern gleich die erste Reihe vor der Bühne, die meisten holen sich erstmal ein Bierchen und quatschen. Bald darauf riecht es nach Pommes und Wurst. Ich gehe mit einem debilen Dauergrinsen vom Stand in die Halle und wieder zurück und freu mich infach nur. Als ich wieder in die Halle komme, ertönt Abba mit „Super Trouper“ aus den Lautsprechern. ??? Steffen Heinrich fehlt! Er hatte immer so schöne Vor-Konzert-Mucke dabei. Nun macht irgendjemand irgendwas... ABBA! ... Also wirklich. ... Zum Glück kündigt mein Telefon LiNa aus Luckenwalde an. Bei ihr haben die zwei Pandemie-Jahre zur Vermehrung geführt. Maximale und wohl auch beste Nutzung dieser verlorenen Jahre. Baby Tilda soll heute in die Gemeinde eingeführt werden. Frühkindliche Sozialisierung – sehr wichtiges Thema. Die junge Dame betrachtet ihre neue Umgebung mit ernstem, interessiertem Blick und quittiert das Ergebnis ihrer Forschung mit einem Lächeln. Auch Papa Falco ist heute das erste Mal bei einem Pothead-Konzert und wird gleich ein guter Kunde bei meinem Mister. Am Stand ist überhaupt viel los, mein Mister reicht ein Shirt nach dem anderen über den Tisch. Am Ende dieses Abends werden einige Kisten leer und einige Größen bereits ausverkauft sein. Die Basecaps schaffen es gar nicht bis Erfurt und auch Cds und sogar Vinyl werden gekauft.
Und dann geht es tatsächlich los: Mit „Satisfied“ lassen Brad, Jeff und Robert 2 Jahre Pandemie in Vergessenheit geraten. Es folgt ein sehr gutes, fast perfektes Konzert mit guter Stimmung im Publikum. Hin und wieder denke ich allerdings, dass schon noch ein bisschen mehr Begeisterung herrschen könnte. Alle sind gutgelaunt, es wird getanzt und natürlich will man auch eine Zugabe hören – aber trotzdem...
das haben wir alles schon emotionaler erlebt. Aber vielleicht liegt das auch an mir. So richtig euphorisch bin ich selber auch nicht, als würde ich mich nicht mehr daran erinnern, wie das noch so ging mit dem Aus-sich-raus-gehen. Durchdrehen, durchdrehen – geht noch nicht. Oder ist meine Erwartungshaltung einfach viel zu hoch? Egal. An Pothead liegt es nicht, alle gehen zufrieden nach Hause.
Auch von Tilda müssen wir uns wieder verabschieden. Sie dürfte zwar noch nicht in den Konzertsaal, hat aber einige nette Leute kennengelernt, die alle ihrem Charme erlegen sind. Sie guckt jedenfalls sehr zufrieden und schenkt uns zum Abschied noch ein Lächeln. Als die Arbeit getan ist (Stand abbauen!), gehen wir wieder rüber zu Uwe. Hier sind alle bester Laune und es wird .... na, sagen wir mal.... Diskussions- und Performance-Billiard gespielt. Anscheinend muss man immer erst mehrmals um den Tisch tanzen und mit mindestens 5 Leuten die (Kugel-)Lage diskutieren, bevor man den nächsten Stoß macht. Eine Partie dauert ewig, ist aber sehr unterhaltsam. Während ich mich darüber amüsiere, tanzt Roland um mich herum und verkündet mir mit strahlendem Lächeln, dass er sein Handy und seine Autoschlüssel verloren hat. Worüber man sich nach 2 Jahren Pandemie so alles freuen kann!?! Beides findet sich übrigens zu sehr viel späterer Stunde wieder an. Hier bei Uwe kommt nix weg.
Jeff kommt auch noch und wenn ich mich recht erinnere, kann er auch eine Partie Diskussions-Billiard gewinnen. Während seiner zweiten Partie verlassen wir die Gesellschaft – eigentlich ungerne, aber es geht schon bald weiter nach Erfurt und der Tag wird noch mal arbeitsreich. Die Jüngeren in dieser illustren Gesellschaft sind eh schon auf dem Sofa eingeschlafen.

Weitere Fotos auf Flickr