Potstock 2015

Heilige Feldlaus! Drei Tage Potstock in der Brandenburger Steppe, die seit zwei Monaten kein Wasser gesehen hat. Um die Heringe in den Boden zu bekommen brauchte man eine Bohrmaschine. Am Freitag Nachmittag drohte ein Sonnenstich und die Sandansammlungen in den Körperöffnungen sind bis heute noch nicht komplett entfernt.

Wenigstens ist nach drei Stunden baden die Kruste runter. Darunter fanden sich nur leider doch noch einige Mückenstiche, die ich vorher gar nicht bemerkt hatte. Jetzt wo Licht und Luft rankommt, jucken sie wie Teufel und sind aufs Dreifache angeschwollen. Körperpflege ist eben doch nicht immer hilfreich.

Potstock wäre nicht Potstock, wenn es nicht doch geregnet hätte. Pünktlich zum Beginn des Soundchecks und zum Ende des Fußballturniers zog es sich bedrohlich zu und es fing an zu regnen. Da es wirklich sehr nach Unwetter aussah, fiel die Siegerehrung aus und der Soundcheck wurde unterbrochen. War aber nur Angeberei - es blieb bei einem etwa halbstündigen angenehmen Regenguss. Die Frösche vom Dorfteich hüpften entfesselt vor Freude quer über die Straße, genau wie ich – kühlte sich mein Körper doch nun endlich von den gefühlten 45 Grad herunter. Der angesammelt Staub auf meiner Körperoberlfäche wurde allerdings nicht etwa abgespült, sondern bildete erst eine leicht schlammige Haut und trocknete später zu einer krustigen Sch(m)utzschicht. So konnte man die Leute, die erst Samstag ankamen sofort von den Veteranen unterscheiden. Ich kann diese Art von »Bio-Peeling« nur empfehlen: Eine perfekt Behandlung gegen Alltagsstress und drohenden Burnout.

Der Regenguss brachte unsere vorher so mühsam aufrecht erhaltene »Ordnung« am Zeltplatz nun vollends durcheinander: Der Topf mit dem gegrillten Gemüse landete in der Kiste, in der sich die am Vortag wegen der Hitze von den Füßen gerissenen Socken bereits aufhielten. Die fast flüssige Margarine in der "Kühlbox" mit dem restlichen Fleisch kippte um und ergoss sich durch die ganze Tasche. Um die Klopapierrolle kümmerte sich mal wieder keiner. (Klopapierrollen stehen oder hängen grundsätzlich an ungeschützten Stellen herum.) Der angeknackste Campingstuhl wurde unter den Pavillon "gerettet" während der andere Stuhl weiterhin im Regen stand, genau wie das Handtuch, mit dem man den Stuhl hinterher wieder hätte trocknen können. Aber trotz Chaos - auf eines kann man sich immer verlassen: Irgendwo läßt sich trotz allem noch ein kaltes Bier auftreiben.

Nach Hitzeschlag am Freitag und dem Regen am Nachmittag war jetzt endlich die perfekte Grilltemperatur erreicht und es konnte eine ordentliche Grundlage für den Abend geschaffen werden. Vor und auf der Bühne hatten sich inzwischen sehr verheißungsvolle Dinge entwickelt: ein wunderschönes neues Bühnenbild war bereits aufgehangen worden, Roberts Bassdrum ziert ein Maiskolben und einige Teile ländlicher Holzdeko runden das Bild ab. An der Seite steht ein junger Mann mit langen Haaren und stimmt sein Cello. Graf Lindorf hat im letzten Jahr wohl Potstock-Blut (bzw. Schlamm) geleckt und macht uns die Freude Pothead diesmal sogar bei 5 Songs zu unterstützen.

Samstag, 22.00 Uhr: Auf die ländlich dekorierte Bühne kommen ein Faun und drei Rednecks und schmeißen die Rumely Oil Pull an: Der Abend wird eröffnet mit »Threshing Bee«. Der Takt der alten Dreschmaschine greift und wird von dem von Sonne und Sand gegerbten Publikum dankbar aufgenommen. Wir erleben ein richtig genialen Abend, der auf meiner Beste-Konzerte-Liste ganz weit oben steht.

Sonntag, 1.30 Uhr: Wir Topfköpfe und einige Sympathisanten sitzen um unsere kleine Feuerschale herum und versuchen das Niveau der Unterhaltung nicht ganz so tief sinken zu lassen, als Graf Lindorf mit zwei Kollegen und einem kleinen Fäßchen Bier vorbeikommt. Die Unterhaltung wird nun sehr eingeschränkt, weil jeder unbedingt noch einmal betonen muss, was das für ein geiles Konzert gewesen ist. Bei der Gelegenheit können wir nun beichten, dass die Aufnahmen vom Konzert schwierig waren. Bei der GoPro war der Akku offensichtlich nicht richtig geladen. Bei der Zoom waren die Batterien alle und die neuen hatten sich durch die Wärme wohl entladen und bei meinem Mister war die Speicherkarte voll während der ersten Zugabe. Wenigstens haben wir einige schöne Fotos gemacht. 5.00 Uhr morgens: der frühe Vogel sitzt auf dem Scheunendach und versucht lauter zu singen als die Musik von DJ Vossi durch die Landschaft hallt. Die Sonne geht auf und ich erwische noch den größten Teil der Pothead-Familie am großen Lagerfeuer. Etwa 20 Leute tanzen noch während aus den Zelten auf der Wiese wohlige Schnarchgeräusche kommen. Sechs Stunden später werden wir Jeff beim Abgrillen der letzten Fleisch-, Lachs- und Gemüsestücke zusehen. Er trägt immer noch oder schon wieder den Schlapphut vom Konzert und sieht aus, als hätte er noch nie einem Leben etwas anderes gemacht. Potstock hat uns alle zu Hillbillys mutieren lassen. Drei Tage Sonne, Sand, Regen, gute Mucke und ein Haufen netter, entspannter Menschen. Wir fahren nach Hause mit dem Kopf voller Pläne für das nächste Jahr. Rock On!

Fotos: flickr.com

Und was haben wir unterschlagen?

Am Donnerstag Abend kommt Siggi zum gemeinsamen Grillen vorbei. Eddes, der jedes Jahr aus Luxemburg zum Potstock anreist, kredenzt ihr einen Rotwein und zieht das Niveau unglaublich in die Höhe mit den dazu passenden Weingläsern.

Freitagabend ist der Kreis der Topfköpfe-Fanclub-Gemeinde recht ansehnlich angewachsen. Wir begrüßen vorallem Potstock-Neulinge wie Zerosusi, Benni (der immer da steht wo eine helfende Hand gebraucht wird), Birte und Christian. Es gibt unglaublich viel zu erzählen und der Abend wird lang.

Am Samstag begrüßen wir einen weiteren Potstock-Neuling: Robert Puls trommelt das erste Mal in Hohenlobbese. Ich mache mit ihm einen Dorfrundgang und wir sitzen eine ganze Weile am See und denken uns tolle Legenden über Seeungeheuer aus, um Hohenlobbese zu einem Touristen-Anziehungspunkt zu machen. Zum Glück haben wir sie inzwischen wieder vergessen.

Als uns spät in der Nacht die Coppelius-Bande besucht, singen wir noch ein paar Lieder. Danach mache ich mich kurz auf Richtung Klowagen. Als ich zurückkomme sind alle verschwunden. Später werden wir feststellen, dass wir den Rest der Nacht damit verbracht haben uns gegenseitig zu suchen.

Der Sonntag endet mit ein paar Slapstick-Einlagen: Tonmann Steffen wird von einem herumfliegenden Pappteller angegriffen, der hatnäckig an seiner Wange kleben bleibt. Während wir darüber noch herzhaft lachen, bekommt Siggi eine ordentliche Wasserdusche vom Vordach ihres Campers ab. Leider gibt es da für uns kein Halten mehr. Ich hoffe Siggi verzeiht uns unsere Lachkrämpfe irgendwann einmal.

Das waren die Potstock-Outtakes, die nur besondere Leute zu lesen bekommen.

Potstock 2014

Freitag 7.00 Uhr in Berlin-Charlottenburg: Hier ist die Welt noch in Ordnung, der Bezirk hat noch genügend Geld um alles hübsch sauber und ordentlich zu halten und so kann um diese Zeit der Rasenmähermann die unschönen Unkräuter zwischen den Gehwegsteinen entfernen. WÄÄÄHHHNG WÄÄÄHHNG WÄÄÄHHNG!!!

Okay ... Ist sowieso Zeit aufzustehen und man kann den Tag ja auch mal mit einem kleinen Mord beginnen ...

Erstmal lange duschen, muß bis Sonntag reichen. Der Lagerfeuergeruch wird alle anderen Gerüche überdecken. Dann fahren die Männer den Generator holen, der nötig ist, damit wir Fußball gucken können. Hoffentlich lohnen die Spiele auch den Aufwand. Das Auftaktspiel war ja eher Murks und das 3:1 für die Gastgeber zwar nützlich um eine Revolte im eigenen Land zu verhindern, allerdings sicher nicht gerechtfertigt. Aber ich schweife ab ...

Während ich also alleine in der Wohnung bin und noch unter der Dusche stehe klingeln sämtliche Telefone. (Die Männer haben ihre Handys zum Aufladen dagelassen) Die Luckenwalder haben Ihre Eintrittskarten zu Hause liegengelassen! Ha! Brüller! Ich habe mich von meinem Lachkrampf noch nicht erholt, da kommt mein Mister wieder. Sie finden die Adresse nicht, er muß den Verleiher anrufen ...

Ich mache noch einen blöden Witz von wegen »Hättest mich doch nur anrufen brauchen ...«, bekomme dann aber Bauchschmerzen und muß mir die Lachtränen aus dem Gesicht wischen.

Als wir endlich gegen 11.00 Uhr losfahren können, stehen wir als erstes im Stau und es fängt an zu regnen. Ich mache mir Sorgen: Mein Mister steht kurz vor einem Herzinfarkt und wird wahrscheinlich wieder ein staatliches Foto anstreben. Tatsächlich textet er mich mal nicht die ganze Zeit zu. Wahrscheinlich hat er grade einen Gehirnknoten. Schließlich muß er ja darüber nachdenken, wie die Zelte stehen sollen, ob wir vielleicht erstmal die Pavillons aufbauen und dann die Zelte oder doch umgekehrt, hoffentlich funktioniert das mit dem DVBT, hoffentlich scheint heute Abend nicht die Sonne, damit das Leinwandbild gut zu sehen ist, haben wir nix vergessen, ist die Kaffeemaschine aus, haben wir die Fußbälle eingepackt, wann essen wir den Kuchen – was erst morgen? Och nö! – wer hat denn jetzt die Kabeltrommel eingepackt und vielleicht bauen wir ja doch erst die Zelte auf ...

Ich weiß das, weil alle fünf Minuten ein Halbsatz übersprudelt und dann wieder in irgendeiner Gehirnwindung verebbt ...

Das Navi übernimmt das Reden und bittet uns rechts abzubiegen Richtung Grözke ...? Wir biegen zwar ordnungsgemäß ab sind uns aber sicher, daß der Ort immer noch Görzke heißt. Das Straßenschild gibt uns recht. Wahrscheinlich stören die analogen aber sehr aufgeregten Denkwellen meines Misters die digitale Denkstruktur unseres Navis.
Als wir die Autobahn verlassen, hört der Regen auf und kurz vor dem Ort, der immer noch Görzke heißt, sind die Rasenmähermänner unterwegs ... Ab hier ist die Welt wieder in Ordnung... ;-)

Luckywood ist zwar ohne Tickets am Start, haben uns aber einen schönen Platz freigehalten. Beim Zeltaufbau stelle ich allerdings fest, daß ich fast jeden Hering in einem Kuhfladen versenke. Kaum ist alles aufgebaut, fängt es an zu regnen und wir gehen gucken wieviel Mann unter das Zelt von Luckywood passen, für Jeff und Siggi ist auch noch ein Plätzchen frei. Der Kuhdung an meinen Knien wird ein wenig ausgespült von einem verschütteten Bier und die ersten Grillschwaden umdüsten mich. Später wird noch Öl auf die Hose tropfen, das aber von diversen Brot- und Fleischkrümeln aufgesogen werden wird – hoffe ich jedenfalls.

Mein Mister hat inzwischen die Technik aufgebaut und schimpft rum, weil das ZDF nicht reingeht. Es kommt Wind auf und für drei Minuten weht das ZDF bei uns vorbei, der Wind hört auf und schon ist auch der Sender wieder weg. Da inzwischen die Bühnenaufbauten begonnen haben, gehen wir mal Backstage, »Tach« sagen und ein bisschen quatschen. Hier gibt es ein 30-cm-Loch in dem die Antenne Empfang hat. Wir gehen also zurück um unser Empfangsloch zu finden.  Wie noch vor 35 Jahren renne ich mit der Antenne von rechts nach links, liege auf dem Boden (Kuhdung!), strecke mich in die Höhe und finde schließlich die richtige Stelle. Natürlich auf dem schiefen Stoffdach unseres Pavillions. Kurz vor Spielbeginn kommt ein engagierter Kollege mit der richtigen idee: Wir stellen die Antenne auf das Gestell von unserem Schwenkgrill. Perfekt. Unser Platz füllt sich von Minute zu Minute mit einer neuen Reihe. Zur zweiten Halbzeit sind es gut 50 Leute und die letzten beiden Stühle werden von Siggi und Jeff besetzt, Nach dem tollen Robben-Tor sind wir alle bester Stimmung. Wer hätte ahnen können, was für ein tolles Spiel wir zu sehen bekommen.

Bei Vollmond werden diverse Feuer entzündet, Jeff bleibt bei unserer Feuerschale hängen. In drei Zelten werden richtige Partys gefeiert mit Knicklichtern, Leuchtbändern, und Stroboskoplicht. Gegen drei gehen meine Lichter aus.

Samstag um 6.24 Uhr sind mein Mister und ich wieder am Start und lauschen den Vögeln. Mehr gibt es nicht zu hören. Um 7 kräht ein Hahn, um acht fängt es an zu regnen.
Nach dem Frühstück gehen wir Backstage, mal gucken wer schon wach ist. Natürlich alle, schließlich gibt es heute viel zu tun. SeBa ist angekommen, stellt uns Benita vor und drückt uns eine Kamera in die Hand. Sie wollen Potstock filmen und dabei könnten wir sie unterstützen, indem wir auch ein bisschen was aufnehmen. Jut, machn wa...ahnungslos aber motiviert.  Der hyperaktive Hund Pitti, sein Herrchen Max und Kumpel Eddes sind meine ersten Opfer. Eddes ist ein Netter mit Geduld, da kann ich was falsch machen. Ich warne schon mal vor und richtig: nach drei Minuten Hundeperformance und Gespräch stelle ich fest, daß das Mikro nicht an war. Also Take two ...

Den Tag über werden wir viele Gespräche mit vielen Leuten führen. Überall gibt es ein Bierchen und/oder einen Kurzen. Dabei haben wir die Kamera zu bewachen (und zu benutzen), wollen noch unsere Wundertüten verkaufen und da ist auch noch das Fußballturnier. Achja, und das Konzert...fast hätte ich das vergessen :-) Der Abend wird lang werden und das nach einer sehr kurzen Nacht.

Wir  teilen uns auf. Mein Mister übergibt die Fußbälle ihrer Bestimmung,  Bimmelhead und seine Misses, Baumhead und die Luckywood-Jugend verkaufen alle 100 Wundertüten - bei der Gelegenheit vielen Dank an alle Käufer für die Unterstützung - und ich tue so, als hätte ich über alles den Überblick und Ahnung von dem was auch immer ich grade tue.
Irgendwann gabelt uns SeBa auf, er möchte mit uns ein Interview machen. Wir rennen einige Male um unseren Tisch herum (schließlich will keiner direkt vor der Kamera sitzen) und versichern uns gegenseitig, daß wir nicht wissen, was wir sagen sollen. Unser Kumpel Thomas kommt vorbeigeschlendert und setzt sich zu uns ohne den Ernst der Lage zu erkennen. So muß er 10 Sekunden später vor laufender Kamera zugeben, daß er nur Gast ist und von nix eine Ahnung hat, zumal das sein erstes Potstock ist und sowieso erst sein zweites Pothead-Konzert. Er kennt die Band überhaupt erst seit ein paar Monaten und kann daher auch nicht sagen, welchen Song er nachher auf dem Konzert hören will. Wir fallen vor Lachen fast vom Stuhl. Zu allem Überfluß ist nun auch noch die Speicherkarte voll und SeBa muß abbrechen. Spitzenperformance!

Das Wetter ist den Tag über eher bescheiden gewesen, der Abendhimmel scheint hier einiges gut machen zu wollen. Gigantische rotorange Wolkenberge und eine Art Pseudo-Wetterleuchten – fast schon ein Support für das Konzert.

Selbiges fängt ein bisschen später an. Die Band muß ein wenig Zeit schinden. Der Plan ist, das Graf Lindorf uns noch die Ehre geben wird. Allerdings steht der Graf selbst noch auf der Bühne – 300 km entfernt. Etwa um die Zeit als wir uns aufmachen zur Scheune, wirft der Graf sein Cello ins Auto und düst in vollem Bühnenoutfit über die Autobahn – selbstverständlich immer im Rahmen der jeweils erlaubten Geschwindikeitsbegrenzungen. Währenddessen fällt mir jemand um den Hals und säuselt mir ins Ohr, wie toll das Konzert ist. Zwei Leute werden es ihm noch nachmachen, aber die beiden anderen habe ich wenigstens schon mal vorher kennengelernt. Vor der Bühne geht es wieder gut ab. Die Kinder, die am Anfang noch in der ersten Reihe standen, sind weg. Da keine Verluste beklagt worden sind, nehme ich an, das sie freiwillig den durchgeknallten Erwachsenen Platz gemacht haben. Während der Ordner im letzten Jahr ein wenig unterbeschäftigt gewesen ist, muß der jetzige ganz schön oft die Leute wieder zurück über die Abgrenzung stopfen. Mister Längste-Haare-von-Stralsund ist auch da und füllt den Raum zwischen Absperrung und Bühne komplett mit seiner Matte aus. Wieder bin ich froh nicht hinter ihm stehen zu müssen.
Graf Lindorf springt punktgenau aus dem Auto. Das Cello wird in drei Minuten eingetaktet und schon steht der Edelmann auf der Bühne und wir dürfen noch einmal Root, Understand und Toxic und Drone mit »klassischer« Unterstützung genießen.

Zum Abschluß des Konzertes macht Kai noch einen auf Auktionator und preist verlorene Handys und Ausweise an, von denen es diesmal ungewöhnlich viele gibt. Auch er wird noch ordentlich beklatscht. Nützt aber nix – Nick, Brad und Jeff sind um die Ecke bereits fleißig dabei Autogramme zu geben.

Backstage ist diesmal auch Open Air. Der einzige allerdings, der sich dabei wohlfühlt, ist ein alter Bekannter: der Kühlschrank aus dem Janitor-Büro steht vor dem Camper, darf an diesem Wochenende Frischluft schnuppern und muß wegen der säuischen Kälte nicht so viel arbeiten. Wir drängeln uns um den sehr kleinen Grill, in dem noch ein sehr bescheidener Rest Kohle vor sich hin glüht. Irgendjemand zündet vor dem Zaun ein kleines Feuerwerk, aber das macht uns auch nicht wärmer. Wir gehen zu unserem Zelt und drängeln uns dort an das Lagerfeuer. Hier werden zu völlig sinnentleerten Wortwechseln Marschmellows gegrillt. »... disch isch schon ... aber grkpfsmfp ... kannste natülisch auch andersss ... vastehste was isch mmmeine ...?« »... ??? ...nööö ... aber sach mal ...«

Ich geh denn mal auf meine klamme Matratze ...

Fotos: flickr.com

Potstock 2013

Anreise und kleine Zeltkunde

Freitag, 14.06.2013, 12.00 Uhr: Unsere Nachbarin starrt uns verwundert an: »Ziehen Sie aus????« »Nee,« antworten wir einigermaßen beschämt, »wir wollen Campen.« Wir brechen das Gespräch auch schnell ab, um nicht noch zugeben zu müssen, dass wir nur drei Tage verreisen und auch noch ein drittes Auto nachkommen wird.

Als wir in Hohenlobbese ankommen, drängt sich gleich die erste Frage auf: Wann muß man eigentlich anreisen, damit nicht schon 3/4 der Wiese in verschiedene Claims abgesteckt ist? Am Samstag abend wird sich noch die Frage anfügen: Warum, zum Geier, steckt man 20 m² ab und kommt dann nicht? Frühes Anreisen hat den großen Vorteil, dass man beim Zeltaufbau relativ wenige Zuschauer hat, man selber aber sehr viele Leute genau dabei beobachten kann. Eine relativ zeitaufwendige Variante sind offensichtlich diese Tunnel- oder Kuppelzelte mit den Fiberglas-Stangen, die eigentlich ja nur durch die Schlaufen gezogen werden müssen. Den Leuten, die an diesem Aufbau gescheitert sind, sei gesagt: Alle, die wir beobachtet haben, brauchten lockere 3 Anläufe, bis der Quatsch endlich richtig stand. Am Sonntag werden wir dann noch einen weiteren Nachteil dieser Zeltart feststellen: Hat man einmal den letzten Hering aus dem Boden gezogen, entwickelt sich das ganze mit Hilfe einer kleinen Windboe zu einem schicken Flugobjekt, dem man dann über das Feld hinterherjagen muss. Dem Kollegen, dem das passiert ist, senden wir auf diesem Wege einen herzlich Dank für diese wunderbare Vorstellung - wir hatten viel Spass dabei.

Im letzten Jahr hatten wir die Variante Wurfzelt ausprobiert (ja, ja, wir waren halt Neu-Camper). Der Aufbau ist wirklich ein Highlight und gibt einem ein großartiges Ich-kann-alles-Gefühl: Tasche auf, Zelt fliegen lassen und schon kann man sich auf die faule Haut legen. Was einem natürlich keiner sagt: Nach 3 Sekunden Aufbau braucht man 3 Stunden für´s Zusammenfalten. Wir haben uns anschließend gedacht, es muss einfachere Möglichkeiten geben, um den halben Zeltplatz kennenzulernen und sind auf das Bulli-Zelt umgestiegen. Dieser Gedanke ging voll auf. Beim nächsten Potstock wird es organisierte Führungen durch das Zelt geben, meldet Euch lieber schon mal an. Und hier nochmal die Antwort auf die am meisten gestellte Frage des Wochenendes: Das Zelt haben wir im Internet gefunden, gebt einfach bei Google »VW-Bulli-Zelt« ein. Und: Ja, es läßt sich leicht aufbauen und es ist toll. Wie regenfest es ist, können wir noch nicht sagen, da es sensationeller Weise ja nicht geregnet hat an diesem Wochenende.

Dann gab es da noch die Truppe mit dem riesigen - zweistöckigen??? - Manschaftszelt. Die waren bereits da, als wir kamen und sie sind auch erst nach uns weggefahren - so dass sich der Verdacht aufdrängt, dass dieses Zelt so schwierig zu händeln ist, dass man lieber wartet, bis alle weg sind. Oder wird dieses Zelt am Ende gar nicht abgebaut? Im Hotel legt man das Handtuch hin, in Hohenlobbese lässt man das Zelt einfach stehen. Der tolle optische Gesamteindruck wird allerdings stark geschmälert durch diese sehr auffällige - Kotz? - Spur, die aus dem Dachfenster läuft. Die Geschichte dazu würde mich doch mal sehr interessieren ...

Schöner Wohnen für Camper

Haben wir den Zeltaufbau noch ohne große Irritation überstanden, so gab es in der folgenden Zeit doch genügend Dusseligkeiten. Z. B. ein tolles Banner mithaben aber keinen Plan, wie man es aufhängen soll, oder Holz hacken mit ... ja was eigentlich? Herzlichen Dank an die netten Geister um uns herum, die immer einen Tipp oder das passende Arbeitsgerät zu Hand hatten. Ausgesprochen blöd ist auch die Idee gewesen, Pophead, der arbeiten und deswegen später kommen mußte, das ganze Bier ins Auto packen zu lassen. Dank an die Luckenwalder für die lebensrettende Bier-Ausleihe.

Als drei Stunden später endlich alles aufgebaut und "eingerichtet" ist, sind wir eigentlich ganz zufrieden mit uns und der Campingwelt und finden, dass wir gut ausgestattet sind. Bis die Jungs gegenüber mit dem Anhänger kommen und erstmal den Kühlschrank abladen.

Wer einen Kühlschrank mit hat, braucht selbstverständlich einen Generator, für den Sitzkomfort die komplette Bierbankgarnitur mit Auflagen und passender Tischdecke, einen großen Grill (und eine Grillschürze!) und für den gesunden Schlaf richtige Matratzen. ...Ooookäiii... Während wir noch fasziniert und zugegebenermaßen ein bisschen neidisch rüberstarren, parkt auf dem Claim neben uns der LKW. ... Was da jetzt alles drauf war, wissen wir nicht, denn kurz danach hält direkt vor uns das Feuerwehrauto, das praktisch eine fahrende Schrankwand ist. Unseren Neid können wir nur im Zaum halten, weil wir uns gegenseitig versichern, dass so ein altes Auto sehr arbeitsintensiv ist, dauernd ist etwas kaputt und man muss dran rumfrickeln......man kacken wir ab mit unserem Lidl-Klappgrill und dem vergessenen Grillbesteck.

Camper-Alltag

Die Nacht war Dank eines sehr gemütlichen Lagerfeuers und vor allem Dank eines Trommel-Marathons in unserer Nähe sehr kurz.

Mein herzallerliebster Trommelfreund, ich sage es dir nur sehr ungern und ich hoffe, du kannst die Wahrheit ertragen: Mit nächtlichem Trommeln von Mitternacht bis 5.00 Uhr morgens macht man sich keine Freunde. Oder waren das indianische Trommeln, die uns schöne Träume bescheren sollten? In diesem Fall musst du noch sehr viel üben. ... BITTE, übe, damit wir im nächsten Jahr schlafen können. Oder sag uns wo du dein Zelt aufschlagen willst, damit wir uns möglichst weit weg stellen könnne. ... Ich denke ihr findet uns im nächsten Jahr im Wald.

Letztendlich wird Schlaf aber auch überbewertet. Wir sitzen bereits um 9.00 schon wieder beim Frühstück (süßes selbstgebackenes Hefebrot, Schokocreme, Toast, Pide, Salami und Käse) und versuchen unsere vielen Pläne für den Tag zu organisieren. Der Plan beim Fußball mitzuspielen wird relativ schnell beerdigt, da sich nicht genügend Spieler finden. Außerdem fehlt eigentlich auch die Zeit, da wir ja noch unsere Topfschlagen/Spenden-Aktion machen wollen. Der Hecht will auf den Grill und braucht Feuerholz. Fotos müssen gemacht werden. Die Band kommt und wenigstens Jeff will über den Platz gehen. Und dann ist ja auch schon Abend und das Konzert beginnt.

Und genau das ist auch alles passiert.

Fotos: flickr.com

Nachlese:

Warum hat mich keiner darin erinnert, mir den Tag nach Potstock noch frei zu nehmen???? Es war sehr mühevoll heute den Kopf nicht auf die Tastatur fallen zu lassen. Aber der leichte Muskelkater, der sich so fast überall breitgemacht hat, und die bleiernde Müdigkeit, die ständig an meinen Lidern zieht, halten mich nicht davon ab, mich noch schnell zu bedanken:

Ganz lieben Dank an alle Topfschläger und Spender: Wir haben in unserer Spendendose tatsächlich 227,66 €!!! Die Topfköpfe runden diese Summe auf 250,00 €  auf. Wem dieses Geld zu gute kommen wird, müssen wir jetzt erst noch ermitteln. Noch ist ja das Wasser ja da und das Ausmaß der Hochwasserschäden noch gar nicht klar. Insofern werden wir jetzt mal ein bisschen abwarten und sind für Vorschläge offen. Wer also selber jemanden kennt, der betroffen ist oder sonst einen Vorschlag hat, nur zu, schreibt uns. Sollte sich keine Einzelperson finden, werden wir eine entsprechende Organisation aussuchen. In jedem Fall werden wir uns Mühe geben und das Geld auch wirklich in die Richtung lenken, für die wir auch gesammelt haben. Wenn es so weit ist, werden wir Euch informieren. Ja, und dann noch herzlichen Dank für die echt liebe Aufnahme in Eure Kreise. Das ist ja auch nicht selbstverständlich. Wir haben an diesem Wochenende eine Menge total netter Leute kennengelernt und so viel positives Feedback erhalten. Damit hatten wir nicht wirklich gerechnet und sind entsprechend überwältigt.