Konzert-Bericht aus dem Rosenhof in Osnabrück

»... und ich sitze auf diesem kleinem Stuhl, you know? Und der kleine Junge drückt die Tube und ... squitsch ... explodiert das. Überall Glitzer, you know ...« Wir sind vor 20 Minuten im Rosenhof angekommen, sitzen Backstage und hören uns Brad's Geschichte von der letzten Kinderparty an. Es ist hier saugemütlich: Brad sitzt in einem großen roten Samtsessel, an der Wand hängt ein Flat-TV, nebenan steht ein großer Esstisch, es gibt eine kleine komfortable Küche und es riecht gut nach lecker Essen. Hier lässt es sich leben!

Eine gute Umgebung für einen Geschichtenerzähler. Ob es wohl auch einmal einen Song über explodierende Glitzerklebertuben geben wird? Inzwischen ist es 17.00 Uhr – Zeit für den Soundcheck. Der Saal im Rosenhof gefällt uns auch gleich sehr gut. Saal und Bühne sind sehr breit, dadurch hat man viel Platz. Es stehen eine Menge Stehtische und Barhocker herum und es gibt zwei Bars. Sehr schön ist, dass auch der Merchstand hier reinpasst. Siggi und Jenni haben einen direkten Blick auf die Bühne.

Der Soundcheck läuft gut. Neben den üblichen paar Songs zum Einspielen wird heute sogar ein bisschen gejammt. Es gibt eine kurze aber intensive Besprechung. Ein paar Wortfetzen wehen zu uns rüber: »... Ich spiele das eigentlich immer so ... naja ... brabbel, brabbel ... wir kriegen das schon hin ...« ??? Na das wollen wir doch mal hoffen!

Nach dem Soundcheck bleibt wieder ein wenig Zeit zum Quatschen: Jeff, Jürgen, Steffen und Kai unterhalten sich über die kommenden Huxleys-Konzerte und wir können mithören, was es so für Ideen für die neue Bühnenshow gibt. Die neuen Anzüge sind bereits bestellt. Die Farbe der Saison wird ... Nee, hier wird jetzt nix verraten.

Der Saal ist gut gefüllt. Vorne sieht es zwar etwas leer aus, dafür knäult sich alles in Mitte und ich habe Mühe mich bis zur Bühne durchzukämpfen. Zum Glück ist die Sauerland-Truppe da. Zeitig gekommen, füllen Sie die erste Reihe ordentlich aus. Vielleicht hat es sich im Rosenhof noch nicht rumgesprochen, aber Brad, Jeff und Robert sind echt nett. Die spucken nicht von der Bühne und haben Ihre Instrumente selbst bezahlt, werden sie also auch nicht zertrümmern, man kann sich da ruhig ohne Verletzungsrisiko hinstellen. Egal, Brad hat gute Laune und vielleicht ja noch den explodierten Glitzerkleber im Kopf, jedenfalls dreht er heute gut auf. Das Konzert macht Spaß, es klingt von überall gut und die Lichtanlage wird komplett ausgereizt. Trotzdem ist nach einer Zugabe Schluss. Backstage geht es noch sehr lustig weiter. Aber auch hier ist diesmal zeitig Schluss. Eigentlich würden alle gerne noch eine Weile weiter feiern, aber der seit einigen Wochen andauernde Umzug des Büros ist inzwischen kräftezehrend. Wenn kein Konzert ansteht, dann werden Möbel geschleppt und Kartons gepackt. Ein, zwei Fahrten noch, dann ist das Büro in der Rungestraße Vergangenheit. Es geht weiter in der Lützowstrasse, zweiter Hof, zweiter Stock. Aber auch hier wartet noch eine Menge Arbeit auf die Band und Siggi bis es wirklich wieder gemütlich ist. Für uns Grund genug, nicht noch nach einem Bier zu schielen, sondern auch aufzubrechen.

Damit ist dieses Pothead-Jahr beendet. Es war das 25. in der Bandgeschichte und es war ein extrem turbulentes Jahr. Leider mit vielen großen und kleinen Katastrophen aber zum Glück ist das meiste gut ausgegangen. Die dritte Ausgabe unseres Fanzines ist bei diesen vielen Schrecksekunden aber irgendwie auf der Strecke geblieben. Halb angefangen werden wir es jetzt endlich beenden, damit wir das neue Jahr gleich mit schönen neuen Dingen beginnen können. Also, freut euch auf die neue Ausgabe des Headletters und vor allem auf zwei tolle Konzerte im Huxleys.

Kommt gut über das Jahr, wir sehen uns!

Fotos: flickr.com

Konzert-Bericht aus der Markthalle in HH 2016

Der dichte Nebel, der uns, seit wir an Neuruppin vorbeigefahren sind, begleitet, bereitet mir Sorge. Wenn sich das noch weiter zuzieht, fahren wir am Ende an Hamburg vorbei. Das wäre blöd. Ich muß an die Pothead-Konzerte denken, als wir noch selber bestimmen dürften woran wir sterben wollen und Rauchen noch überall erlaubt war. Wenn man eine halbe Stunde nach Öffnung in die Halle trat, hat man die Bühne eigentlich schon nicht mehr gesehen und konnte die Luft in Würfel schneiden.

Das war nicht gesund aber lustig. Wir Nichtraucher hatten am nächsten Tag grundsätzlich Kopfschmerzen und die ganze Wohnung stank nach den vollgequalmten Klamotten. Das war dann zwar nicht mehr lustig, sorgte aber für eine gewisse Nachhaltigkeit des Konzerterlebnisses. Bei einem richtig guten Rockkonzert vermisse ich die vollgequalmten Hallen. Alle paar Wochen mal nicht auf seine Gesundheit zu achten, kann auch einen durchaus reinigenden Effekt haben. Man verpimpelt nicht so … Aber ich verplaudere mich ... Kurz vor Hamburg kämpft sich die Sonne durch und der Nebel wabert davon. Unser Hotel liegt in St. Georg. Wir kommen offensichtlich zur Haupt-Einkaufszeit an und müssen uns durch Massen von Kleinst- und Großkriminellen, desillusionierten Halb-Erwachsenen mit Migrationshintergrund und Otto-Normal-Verbrauchern aus allen Ländern dieser Welt durchkämpfen. Nach dreistündiger Autofahrt durch Nebelwände, die einen von der Außenwelt abgeschnitten hatten, benötige sogar ich, eine uralte Berliner Großstadtpflanze, einen Moment der Orientierung und fremdel für kurze Zeit. St. Georg scheint zu 2/3 nur aus Hotels (und Parkhäusern) zu bestehen und so beschäftigt mich die Frage, wo diese vielen Menschen eigentlich wohnen. Das Haus unseres Hotels ist gefühlt zwei Meter breit, tut aber sehr herrschaftlich. Drinnen ist es nett und sauber und der Lichtschacht, in den wir aus unserem Kellerfenster gucken, ist liebevoll bemalt mit Segelschiffen auf dem Meer. Wir erinnern uns daran, dass es billig ist und finden alles angemessen und ok. Um kurz vor fünf entern wir die Markthalle und stoßen auf eine ruhige Geschäftigkeit. Um 6 ist der Merchstand fertig und Siggi und Jenni stehen vor dem seltsamen Problem, dass sie Zeit haben. Um halb 7 ist auch der Soundcheck durch und auch die Crew muß nun sehen, wohin mit der Hyperaktivität. Die ersten Bierchen gehen an den Start, allerdings wird mehr angestoßen als getrunken. Zeit zum Quatschen!

Als um 21.00 Uhr Pothead die Bühne entert, ist die Halle sehr gut gefüllt. Diesmal sind mehr als 700 Leute am Start – wieder ein paar mehr als noch im letzten Jahr. Für das Publikum nur wenig sichtbar: die Markthalle hat sich aufgebrezelt und Geld in neue Technik und neue Beleuchtung gesteckt. Auch Siggis Stand erstrahlt in einer neuen Beleuchtung. Auf die Hamburger ist Verlaß: Kauffreudig und von Anfang an guter Stimmung. Unter diesen guten Voraussetzungen ist es eine logische Konsequenz, dass wir einen schönen Abend mit einer gutgelaunten Band erleben. Schade, dass dann alle am Ende des Abends zwar freundlich aber meiner Meinung nach etwas zu eilig von der Security aus der Halle gekehrt werden. Hier wäre auch noch ein wenig nordische Gemütlichkeit angesagt gewesen. Die gönnen wir uns dann Backstage. Durch die Räumungsaktion haben auch Siggi und Jenni zeitig Feierabend und zum zweiten Mal an diesem Tag haben wir Zeit zum Quatschen. Ein einzelner kleiner Schüttelreim versucht den Abend auf Backstage-Party-Niveau zu bringen, wird aber ignoriert. Wir gucken lieber Robert beim Essen zu, erzählen uns Geschichten über abgelaufene Lebensmittel (das Backstage-Bier war noch eine EM-Fan-Edition und so kurz vor knirsch) und denken an (für immer) Abwesende. Dann wird es uns fast zu gemütlich und Siggi wird daran erinnert, dass sie noch gar nicht zum Aufbruch gemahnt hat. Diesmal vergeht zwischen dem Ruf zum Aufbruch bis zum realen Gehen tatsächlich nicht mal eine Stunde.

Nach einem für uns wenig arbeitsreichen aber sehr netten Abend und einem dann doch recht kurzen Schlaf in unserer Kellerkabine cruisen wir bei recht schönem Wetter über die Autobahn als das Handy klingelt: Wir erfahren, dass die Potheads bereits in Berlin angekommen sind – leider ohne Jürgens Handy. Das liegt noch im Rasthof Prignitz. Da sind wir natürlich grade vor 5 Minuten vorbeigefahren. Aber was macht man nicht alles für nette Menschen, die für die Lieblingsband arbeiten. Also runter von der Autobahn, wenden, zurück fahren, vier Ausfahrten und eine Baustelle später wieder wenden und beim Rasthof das Handy holen – schnell noch einen Burger für den kleinen Hunger naschen und dann wieder weiter Richtung Heimat. Alles in allem gute 1 1/2 Stunden. Wer darüber nachdenkt einen Fanclub zu gründen, sollte beachten, dass man dafür viel Zeit braucht ... :-)

Fotos: flickr.com

Konzert-Bericht aus dem Waschhaus Potsdam 2016 von Potbert

»High Voltage« im Waschhaus Potsdam

Nach langer Anreise sind meine bessere Hälfte und ich gespannt, ob sich die Prophezeiung der POPHEADS erfüllen würde, dass sich hier jeder Besuch besonders lohnt. Was wir dann erleben durften, hat alle Erwartungen weit übertroffen. Erst die tolle Location, dann ein energiegeladenes Konzert vom Feinsten.

POTHEAD legt einen Auftakt hin, wie wir ihn selten erlebt haben. Die Jungs stehen unter High Voltage und spielen, wie von der Leine gelassen. Der Funke springt sofort auf das Publikum über, it´s Rocktime. POTHEAD hat sichtlich Spaß, der Sound kommt wie aus einem Guss. BRAD und JEFF in bester Spiellaune werden von ROBERT´s Trommelfeuer getrieben, der die Stöcke schwingt, als wäre nie etwas gewesen, Hut ab ! Das Rock-Volk ist super drauf, alle in Bewegung, jeder Song wird frenetisch gefeiert. Mit den ersten Akkorden von BLACK WAR gibt es dann kein Halten mehr, die Fans gehen teilweise ab, wie einem Punkkonzert. POTHEAD kommt ohne drei Zugaben nicht von der Bühne, wobei der letzte Song den Fans Rätsel aufgibt: »Der ist neu, oder?«; »Kennt den Song jemand, der war ja geil?«. Vielleicht löst sich das Rätsel ja auf der nächsten CD, auf die wir alle sehnsüchtig warten. Auf jeden Fall ein toller Schlusspunkt für ein Hammer-Konzert. Die gute Stimmung des Abends setzt sich bei der Aftershow fort. In einem großen Sitzkreis um einen kleinen Tisch wird die Show ausgiebig gefeiert und viel gelacht. Die tolle Waschhauscrew hatte alles bestens vorbereitet. Bleibt nur noch unser herzlichster Dank an POTHEAD, SIGGI, die CREW und nicht zuletzt die beiden POPHEADS. Rock on, let´s rock!

Konzert-Bericht aus dem Waschhaus Potsdam 2016

Zuweilen klingt auch Harfe schön
nur hat sie leider scharfe Höh`n
Da hören wir viel lieber Bass
Und trinken dazu Bier vom Fass
Wir haben keine Zeit für Gläser
Es fehlen uns vom Blech die Bläser
Lass Bier in die Posaune laufen
dann kannst du je nach Laune saufen
Doch Brad dem Sänger gelang
manch wunderbarer Liedgesang
Nun applaudiert dem Liedersänger
dann spielt die Band auch wieder länger

... warum wir gnadenlos vom Schüttelreim zum schlecht Gedichteten übergehen, was der ganze Quatsch überhaupt soll und warum ich mich am Sonntag wie Gunter gefühlt habe, könnt Ihr lesen, wenn ihr auf den kleinen roten Pfeil klickt...

Samstag, 15.10.16, 12.00 Uhr: »Das bisschen Haushalt ...« sagt mein Mann und fährt schon mal vor, um Pothead beim Kisten schleppen zu helfen. Ich kämpfe mich durch den halb renovierten Flur zur Küche durch und tue was getan werden muß. Ein paar Stunden später mache ich mich dann auf den Weg zu »unserem« heißgeliebten Waschhaus. Abgesehen davon, dass wir bestechlich und einem guten Cuba Libre nicht abgeneigt sind, ist das Waschhaus nun mal eine sehr schöne Location. Die Anreise ist kurz, die Crew ist super nett und so sind alle sehr entspannt als ich eintrudle. Mein iPad ist bereits am Start, damit die heutigen Fußballspiele verfolgt werden können. Es wird ein wenig geklagt über Muskelkater vom Hebeln an der Button-Maschine und raue Finger vom Plakate rollen. Ansonsten sind aber zur Abwechslung mal alle gesund.

Der Soundcheck lässt uns aufmerken und wir werfen schnell einen Blick auf die Setliste. Die Neu-Veröffentlichung der »Pot Of Gold« wirft ihre Schatten voraus. Die neu ausgegrabenen alten Stücke treiben später beim Konzert ganz schön. Ein einzelner Herr in der dritten Reihe fordert am Anfang noch mehrmals »ENERGIE« ein, weil er 27 € an der Abendkasse bezahlt hat, verstummt dann aber und überlässt sich lieber einem (fast) rhythmischen Armwedeln und einem glücklichen Dauergrinsen. Auch die »drink more beer«-Rufe hören irgendwann auf – des Geistes Sinn kann eh nur als bierseelig abgetan werden. Am Ende gibt es noch einige Zugaben, eine davon wieder einmal schön gejammt und wir können wieder spekulieren, ob das was Neues war. Alle sind zufrieden, hier und da wird sogar bemerkt, das wäre eines der besten Konzerte gewesen.

Bei einem kühlen Bierchen schauen wir später der Crew beim Bühnenabbau zu und feuern sie an – schließlich wollen wir ja noch unseren inzwischen schon traditionellen Bühnen-Cuba-Libre trinken. Diesmal werden sogar Stühle (mit Armlehnen!) hingestellt, schön im Kreis: Das Treffen der anonymen Selbsttrinker kann eröffnet werden! Es hagelt auch gleich Vorschläge, wie wir diesen Abend in diesem Kreis niveauvoll weiter gestalten wollen: Erst einmal sollen alle ihren Namen tanzen, dann eröffnen wir das literarische Kolloquium (Thema: Bob Dylan und der Nobelpreis), dann Flaschendrehen und nackt tanzen... Allerdings kommen wir über das Vortragen von Witzen und Schüttelreimen nicht hinaus. Darum schließe ich mit zwei ausgewählten Texten dieser Art, um meinen Zustand am folgenden Mittag zu beschreiben, nachdem wir um 5.00 Uhr morgens endlich nach Hause gekommen waren:

Die Boxer in der Meisterklasse zerschlugen sich zu Kleistermasse. Aus diesem großen Massenkleister erhob sich dann der Klassenmeister. Und:

Alle Kinder hüpfen auf der Betonplatte – nur nicht Gunter, der liegt drunter. (Brüller, oder?)

Rock On, Ihr Lieben – und an alle, die sich grade das schöne Pothead-Vinyl gekauft haben: Bewahre deinen Plattenschatz an einem kühlen Schattenplatz!

Fotos: flickr.com

Mit Pothead in Rostock 2016

Warum Robert die 1. Wahl und wir nur die 2. Wahl sind und warum am Ende alle nur auf die Dritte Wahl gewartet haben, erfahrt ihr, wenn ihr auf den kleinen roten Pfeil klickt....

Samstag, 03.09., in Berlin: 26°C, die Sonne scheint, ein paar Schäfchenwolken haben es sich am strahlend blauen Himmel bequem gemacht. Heute ist viel los in der Stadt: Radio Eins feiert Parkfest, unser Kiez feiert sich selbst, auf dem Maifeld ist ein Poloturnier und in Lichtenrade findet ein Mopsrennen statt. Abgesehen von diesem möglichen Tagesprogramm verwandelt sich sowohl unser Garten als auch die Wohnung grade in ein eigenständiges Biotop. Beides müßte eigentlich mal wieder ausgiebig gepflegt werden. 1000 Gründe um mal wieder ein Wochenende zu Hause zu verbringen. Konsequenter Weise stehen wir daher im Stau auf der A19 auf dem Weg nach Rostock. 20°C, der Himmel ist grau, es fängt an zu nieseln und mein Mister motzt jedem Auto hinterher, das sich nicht an das korrekte Reisverschlußverfahren vor der Baustelle hält.

Hinter der Baustelle juckeln wir in einem relativ gechillten Tempo weiter; wir sind zeitig losgefahren und haben es nicht eilig. »Guck mal da….!!!!!« schreit mein Mister plötzlich. Ich gucke und rufe, was ich schon immer mal rufen wollte: »Folge diesem Auto!« Zum Glück sind wir jetzt in einem Alter, in dem einem nix mehr peinlich ist und wir uns ein Polizeifoto leisten können, daher tritt mein Mister aufs Gaspedal und hetzt dem Pothead-Bus hinterher. Unsere Lieblingsband ist spät dran, wir haben Mühe zu folgen. Kurz vor dem Ziel wird es dann albern: Wir müssen zur Bühne des IGA-Geländes, die Adresse ist: Groß Kleiner Damm, eine Hausnummer gibt es nicht. Das versteht kein Navi, unseres nicht und das von Pothead auch nicht. Also muß mehrmals gewendet werden, bis der Eingang plötzlich und unerwartet doch noch gefunden wird. Jetzt zahlt es sich aus, den Bus so groupie-mäßig verfolgt zu haben, können wir doch mitfahren und parken gleich hinter der Bühne – cooooool! Nach einer freudigen Begrüßung bekommen wir von Siggi gleich unsere Pässe: Einen für Backstage (steht »AAA« drauf, warum auch immer) und einen Fotopaß. Damit sehen wir jetzt auch noch cool aus: Wir sind die Einzigen, die mit zwei blauen Riesenklebern auf unseren T-Shirts rumrennen. Wir kommen uns sehr wichtig vor – tatsächlich ist es wohl eher albern und wir machen uns voll zum Hirsch. Aber es gibt noch eine Überraschung: Jürgen muß gleich nach dem Konzert weiter, weil in Schwerin auch noch Arbeit auf ihn wartet (!!!) und nun ist ein Zimmer frei! Eigentlich wollten wir ja wieder nach Hause fahren, aber so ...

Das Problem des fehlenden Übernachtungs-Equipments schieben wir mal beiseite. Ich schiele ein wenig zum Merch von Dritte Wahl. Die haben so viel, vielleicht ja auch Unterwäsche? Aber will ich wirklich einen Schlüpfer anziehen auf dem »Dritte Wahl« steht??? Nee, dann lieber dreckig an den Frühstückstisch. (…An dieser Stelle kann sich jeder ja mal Gedanken machen über die Gestaltung von Pothead-Unterwäsche ...)

Vor lauter Coolness vergessen wir fast, weswegen wir uns doch noch spontan zu diesem Konzertbesuch entschlossen hatten: Robert wird heute wieder an den Drums sitzen! Coole Leute können sich coole Fragen leisten und so eröffnen wir mit: »Na, bist Du schon aufgeregt?« Nun ist Robert ja Leid gewöhnt, außerdem ein sehr freundlicher, humorvoller Mensch und wir werden nicht die Letzten sein, die ihm heute diese Frage stellen. Natürlich ist er – noch  – nicht aufgeregt und die Hände sehen nicht nur wieder ganz ok aus, sie sind auch wieder gut in Form. Ist jetzt alles nur noch eine Frage der Ausdauer. Da ist es gut, mit einem 70-Minuten-Gig anfangen zu können. Um 19.30 Uhr können wir uns dann davon überzeugen, dass alles wieder gut ist: Robert ist wieder da und knallt uns mit lässiger Eleganz die Pothead-Beats um die Ohren, als wäre nie etwas gewesen. Wir sind begeistert. Offensichtlich nicht nur wir. Jedenfalls gibt es viel Applaus und eine Zugabe muß auch noch her – mehr ist nicht drin, schließlich ist das ja eigentlich der Abend von Dritte Wahl.

Teil 2:

Viel Zeit ist nicht für den Umbau der Bühne. Innerhalb einer Viertelstunde muss das Pothead-Equipment runter und die Sachen von Dritte Wahl rauf auf die Bühne. Die Banner müssen getauscht werden, ein Vorhang wird angebracht. Gefühlt 100 Leute rennen auf, neben, hinter und vor der Bühne hin und her. Es ist keine Zeit, alles ordentlich zu verstauen. Roberts Schlagzeug wird so runtergetragen wie es ist. Hinter der Bühne entsteht ein wildes Durcheinander. Es ist zwar dunkel aber ich kann erahnen, wie Jürgen, Kai und Steffen mit den Augen rollen und die Stirn kräuseln. Hilft aber nix. Als alles von der Bühne runter ist, wird erstmal durchgeatmet, eine Zigarette geraucht, am Bierchen genippt und dann in aller Ruhe alles ordentlich eingepackt. Ich will nicht immer im Weg rumstehen und geh mir Dritte Wahl anschauen. Vor der Bühne ist gute Stimmung. Ich falle wahrscheinlich gleich auf, weil ich die Texte nicht kenne und daher nicht mitsingen kann. (Aber mit meinen zwei Pässen bin ich ja sowieso zu cool zum Mitsingen …) Es gibt Kanonen mit Papierschlangen und Konfettiregen. Dann kommt auch noch Storch Heiner um alle daran zu erinnern, was passieren kann, wenn man nicht zur Wahl geht. Sänger Gunnar bittet nochmal alle eindringlich jeden, etwas gegen den drohenden Rechtsruck zu tun. Hier sind alle damit einverstanden und nun auch hoffentlich entsprechend motiviert. Nach diesem kurzen und wichtigen Break wird weiter gefeiert – um 23.00 Uhr muß Schluß sein, ist schließlich Open Air.

Wir fahren dann auch bald alle ins Hotel – dabei fällt dem super-großstädtischen Berliner auf, dass auch andere Städte groß sind. Wenn man mitten in der Nacht nach einem anstrengenden Tag das Gute-Nacht-Bier rufen hört, ist der Weg vom IGA-Gelände Rostock zum City-Hotel Rostock erstaunlich lang. ...

Wir trinken das selbst mitgebrachte Scheide-Bierchen in der nur spärlich beleuchteten Hotel-Empfangshalle. Hier gibt es ein »Lounge« mit tollen Drehstühlen (Siggi und mein Mister sind ständig in Bewegung) und eines von diesen ach so modischen geschwungenen Lounge-Sofas. Ich erwische den Teil, der besonders tief ist, versuche mich halbwegs elegant an das Rückenkissen zu lehnen und sinke innerhalb von ein paar Minuten damit immer tiefer, bis ich in einer sehr besoffenen Stellung quer wegrutsche. Ich setzte mich auf das Kissen und überrage damit alle anderen um einen ganzen Kopf. Wer designt eigentlich so´n Quatsch? Und wer kauft diesen Scheiß? Na egal, nach dem einen Gute-Nacht-Bierchen haben wir jetzt sowieso alle Bettschwere. Mein unter falschem Namen angemeldeter Mister nimmt sein Groupie mit in sein Einzelzimmer (Rock´n Roll!) und wir versuchen nach Jahrzehnte lang andauernder Ehe das erste Mal mit einer Bettdecke zu schlafen (in gewisser Weise auch Rock´n Roll).

Am nächsten Morgen klingt mir noch Siggis euphorische Ankündigung im Ohr: »Ihr könnt das Zimmer haben, dann könnt Ihr auch duschen!« … Ja … toll … ich hab ja nicht mal ´ne Haarbürste mit (die Zahnbürste konnte wenigstens durch einen Kaugummi ersetzt werden), geschweige denn Creme um meine nach der Dusche knisternde Haut wieder geschmeidig zu machen. Und wie viel Sinn macht ein gut riechender Körper, wenn man die alten Klamotten drüber zieht? Also, da bin ich dann konsequent: wenn schon scheiße, dann richtig. Also nur Katzenwäsche und das Gesicht mit der Handcreme aus der 0,50 Cent Minitube eincremen und dann ab in den sehr vollen Frühstücksraum ...

Fotos: flickr.com