Konzert-Bericht aus dem Huxleys in Berlin

Pothead dreht am Rad

Drei Tage zeitlos im Huxleys, mal sehen was ich meinem vernebelten Hirn nachträglich noch so entlocken kann. Diesmal war alles so gechillt, dass ich völlig vergessen habe mir Notizen zu machen.

Donnerstag, 19.01.2017, 14.00 Uhr, mein Mister kommt von der Arbeit. Eine Kleinigkeit essen, ein Kaffee, umziehen und auf geht's in unser Pothead-Wochenende. Auf der Fahrt ins Janitor-Büro richten wir uns mental auf die bevorstehende Schlepperei ein. Das Büro in der Rungestraße war fast ebenerdig, jetzt in der Lützowstrasse müssen die Kisten zwei Stockwerke runter bzw. hoch getragen werden. Unsere erste Frage gilt allerdings den neuen Silberlingen: Erst vor ein paar Stunden hat der DHL-Bote diesmal das Büro gefunden und die Kartons mit den Pot-Of-Gold-CDs pünktlich geliefert. Damit wäre schon mal eine Hürde genommen. So langsam trudeln alle ein und es kann losgehen: Kisten runtertragen, ins Auto stapeln, Instrumente aus dem Studio hochschleppen, in das andere Auto stapeln, ab durch Berlins Rushhour und alles rein in den Lastenfahrstuhl vom Huxleys.

Jürgens Lampenladen ist auf der Bühne natürlich längst aufgebaut und erinnert mich an Zirkus. Zwei große Räder bilden die »Rückwand« der Bühne, je ein kleineres hängt an den Seiten. Man wartet darauf, dass sich ein Feuer an diesen Rädern entzündet und die Tiger dadurch springen. ... Die Lichtproben zeigen dann aber, das sieht auch ohne Tiger und Feuer gut aus. Jürgen sieht zufrieden aus. Auch hier scheint diesmal alles gut gelaufen zu sein.

Brad ist die letzten Tage krank gewesen und hat damit intern für Aufregung gesorgt. Die letzten Proben mussten ausfallen und für einen kurzen Moment hingen die beiden Konzerttermine an einem seidenen Faden. 100%ig fit ist er noch nicht, ein wenig schlapp noch, aber es ist ok. Der Tag wurde dann auch gleich zum Proben genutzt.
Der Soundcheck fällt daher aus. Es soll heute nicht zu lange gehen. Gegen 20.30 Uhr sind wir wieder auf dem Weg nach Hause.

Der Freitag beginnt für uns um 13.45 Uhr. Wir sind mit Siggi verabredet, noch schnell Besorgungen machen. Jürgen ist längst da und programmiert seine Lampen. Für jeden Song wird ein Lampentanz vorbereitet. Backstage riecht es toll nach Essen. Die Rinderbrühe köchelt auf dem Herd und wir wissen bereits, dass sie so gut schmeckt, wie sie riecht. Überhaupt wird uns das Catering diesmal unsere guten Manieren vergessen lassen. Eigentlich warten wir immer erst ab, bis der arbeitende Teil der Manschaft gegessen hat. Inzwischen wissen wir aber auch, dass es sehr lange dauern kann auf Brad zu warten und es riecht doch so gut. ... Diese kleinen frittierten Käsebällchen mit Jalapenos ... hmmmm ...  Ähm, ja ... vor den Schnitzelchen kam aber noch der Soundcheck. Wir wussten bereits, dass uns 2 Überraschungen erwarten werden. Eine davon können wir jetzt beim Soundcheck erleben und erklärt, warum Kai ein wenig nervös wirkte (erkennbar aber nur, wenn man sehr gut aufpasst) und was das Keyboard hier soll. Bettina ist der Bonustrack auf der überarbeiteten Version von Pot Of Gold. Dieser Song braucht aber dringlich ein Klavier. Und da ist dann auch der Gänsehautmoment. Später beim Konzert kommt der Song auch gut, aber so in der leeren Halle ist das noch mal was ganz Besonderes. Unserer Meinung nach braucht sich Kai keine Gedanken zu machen. Aber das halbe Konzert lang konzentriert seine Arbeit zu machen und dann mal eben auf die Bühne zu gehen und mitzuspielen, ist schon 'ne krasse Nummer. Weil er das so gut macht und damit die ganze Aufregung sich lohnt, spielt er auch noch bei Magic Lantern und Burning Bridges mit. Wir sind begeistert.

Plötzlich ist es schon recht spät. Wir machen uns schnell über das Essen her, dann müssen mein Mister und ich auch schon Stellung am Eingang beziehen. Wir möchten die Topfköpfe noch mehr bekannt machen und verteilen deswegen Flyer mit einem Kreuzworträtsel. Flyer verteilen stellt sich als Arbeit heraus. Wedelt man nicht wild damit in der Gegend herum und spricht am besten jeden einzeln an, dann wird man die Dinger nicht los. Die meisten wollen sich mit der fehlenden Lesebrille rausreden. Wir empfehlen beim Frühstück zu rätseln. Das kommt bei einigen gut an, ganz Harte geben vor nicht zu frühstücken. Hier empfehlen wir dann »raten zum Braten« - kommt aber nur mäßig an. Nach einer Stunde haben wir die Nase voll, aber auch nicht mehr ganz so viel Flyer übrig. Wir brechen ab, morgen ist ja auch noch ein Tag. Bei der Gelegenheit ein großes Dankeschön an Rico, der definitiv ein As im Flyer verteilen ist und uns super unterstützt hat. Die Halle ist nun sehr gut gefüllt, zwar ist es nicht ausverkauft aber die Gallerie muss geöffnet werden, rund 1200 Leute haben heute den Weg ins Huxleys gefunden. Na dann kann es ja losgehen ...

Pothead dreht am Rad, Teil 2

Diese Jahr gibt es kein Intro, mit C'mon geht es gleich übergangslos in die Vollen. Bereits nach dem dritten Foto muss ich einsehen, dass meine Kamera mit dem Licht überfordert ist. Ich hatte bereits vor einiger Zeit festgestellt, dass meine kleine Lieblingskamera offensichtlich Ihr vom Werk programmiertes Lebensende erreicht hat. Bisher konnte man das noch ignorieren, aber jetzt ist Schluss mit scharfstellen. ...

Zwar wimmelt es vor der Bühne nur so von Fotografen, aber ich kenne da keinen. Zerosusi muss arbeiten und konnte daher nicht kommen, Lina hat ihre Kamera nicht dabei und Katie kommt erst morgen. Na toll. Und ich brauche doch ein paar gute Fotos für den Quiz-Gewinn. An dem gelegentlichen Gegrinse von Brad, Jeff und Robert merke ich, dass auch auf der Bühne nicht alles so rund läuft. Mein Dilletanten-Gehör bekommt die Anlässe dafür nicht mit. Das Publikum in den ersten Reihen geht auch ganz gut ab und ist zufrieden. Tatsächlich werden wir etliche Leute aus diesen Reihen morgen wieder sehen. Bei »Run« kommt Nina C. Alice von Skew Siskin auf die Bühne. Sie ist eine alte Freundin der Potheads und ist auch auf »Burning Bridges« bei »Run« zu hören. Ick freu mir. Ich mag Nina und ich mag ihre Stimme, außerdem ist gegen 3 Minuten Frauenpower meiner Meinung nach nix einzuwenden. Kai muss nun noch den Indian Song überstehen, dann kommt sein großer Auftritt. Am Samstag nachmittag wird noch an diesem Auftritt rumgefeilt werden. Steffen findet noch die richtige Musik für die Zeit, wo (erfahrungsgemäß und hoffentlich :-) ) geklatscht wird und Kai baut seine Performance noch ein wenig aus. Das Publikum am Freitag ist auf pogen aus, weswegen »Bettina« hier noch nicht so 100%ig ankommt. Am Samstag ist das anders und die Leute sind schnell begeistert von dem ungewohnten Gast auf der Bühne. Überhaupt hat der Samstag geniale Momente und bringt eine Menge Spaß für Band und Publikum. Einzig "Rude" will ein bisschen stänkern. Die Band geht am Anfang derartig ab, dass es Brad's Gitarrenverstärker dahinrafft. Schade, aber kein wirkliches Problem. Der Song wird zu Ende gespielt und beim nächsten Lied ist alles wieder ok. Trotz dieses kleinen technischen Hängers ist der Samstag einfach nur geil. Ein rundum toller Abend, an dem wir keine Flyer verteilen mußten, weil dass Mrs. Bimmelhead und Christian übernommen haben und von dem ich nun auch anständige Fotos habe, weil Katie da war und Lina mir ihre Kamera geborgt hat. Alles wird gut im Schein der Magic Lantern.

... Mehr Bilder auf flickr.

Konzert-Bericht aus dem Rosenhof in Osnabrück

»... und ich sitze auf diesem kleinem Stuhl, you know? Und der kleine Junge drückt die Tube und ... squitsch ... explodiert das. Überall Glitzer, you know ...« Wir sind vor 20 Minuten im Rosenhof angekommen, sitzen Backstage und hören uns Brad's Geschichte von der letzten Kinderparty an. Es ist hier saugemütlich: Brad sitzt in einem großen roten Samtsessel, an der Wand hängt ein Flat-TV, nebenan steht ein großer Esstisch, es gibt eine kleine komfortable Küche und es riecht gut nach lecker Essen. Hier lässt es sich leben!

Eine gute Umgebung für einen Geschichtenerzähler. Ob es wohl auch einmal einen Song über explodierende Glitzerklebertuben geben wird? Inzwischen ist es 17.00 Uhr – Zeit für den Soundcheck. Der Saal im Rosenhof gefällt uns auch gleich sehr gut. Saal und Bühne sind sehr breit, dadurch hat man viel Platz. Es stehen eine Menge Stehtische und Barhocker herum und es gibt zwei Bars. Sehr schön ist, dass auch der Merchstand hier reinpasst. Siggi und Jenni haben einen direkten Blick auf die Bühne.

Der Soundcheck läuft gut. Neben den üblichen paar Songs zum Einspielen wird heute sogar ein bisschen gejammt. Es gibt eine kurze aber intensive Besprechung. Ein paar Wortfetzen wehen zu uns rüber: »... Ich spiele das eigentlich immer so ... naja ... brabbel, brabbel ... wir kriegen das schon hin ...« ??? Na das wollen wir doch mal hoffen!

Nach dem Soundcheck bleibt wieder ein wenig Zeit zum Quatschen: Jeff, Jürgen, Steffen und Kai unterhalten sich über die kommenden Huxleys-Konzerte und wir können mithören, was es so für Ideen für die neue Bühnenshow gibt. Die neuen Anzüge sind bereits bestellt. Die Farbe der Saison wird ... Nee, hier wird jetzt nix verraten.

Der Saal ist gut gefüllt. Vorne sieht es zwar etwas leer aus, dafür knäult sich alles in Mitte und ich habe Mühe mich bis zur Bühne durchzukämpfen. Zum Glück ist die Sauerland-Truppe da. Zeitig gekommen, füllen Sie die erste Reihe ordentlich aus. Vielleicht hat es sich im Rosenhof noch nicht rumgesprochen, aber Brad, Jeff und Robert sind echt nett. Die spucken nicht von der Bühne und haben Ihre Instrumente selbst bezahlt, werden sie also auch nicht zertrümmern, man kann sich da ruhig ohne Verletzungsrisiko hinstellen. Egal, Brad hat gute Laune und vielleicht ja noch den explodierten Glitzerkleber im Kopf, jedenfalls dreht er heute gut auf. Das Konzert macht Spaß, es klingt von überall gut und die Lichtanlage wird komplett ausgereizt. Trotzdem ist nach einer Zugabe Schluss. Backstage geht es noch sehr lustig weiter. Aber auch hier ist diesmal zeitig Schluss. Eigentlich würden alle gerne noch eine Weile weiter feiern, aber der seit einigen Wochen andauernde Umzug des Büros ist inzwischen kräftezehrend. Wenn kein Konzert ansteht, dann werden Möbel geschleppt und Kartons gepackt. Ein, zwei Fahrten noch, dann ist das Büro in der Rungestraße Vergangenheit. Es geht weiter in der Lützowstrasse, zweiter Hof, zweiter Stock. Aber auch hier wartet noch eine Menge Arbeit auf die Band und Siggi bis es wirklich wieder gemütlich ist. Für uns Grund genug, nicht noch nach einem Bier zu schielen, sondern auch aufzubrechen.

Damit ist dieses Pothead-Jahr beendet. Es war das 25. in der Bandgeschichte und es war ein extrem turbulentes Jahr. Leider mit vielen großen und kleinen Katastrophen aber zum Glück ist das meiste gut ausgegangen. Die dritte Ausgabe unseres Fanzines ist bei diesen vielen Schrecksekunden aber irgendwie auf der Strecke geblieben. Halb angefangen werden wir es jetzt endlich beenden, damit wir das neue Jahr gleich mit schönen neuen Dingen beginnen können. Also, freut euch auf die neue Ausgabe des Headletters und vor allem auf zwei tolle Konzerte im Huxleys.

Kommt gut über das Jahr, wir sehen uns!

Fotos: flickr.com

Konzert-Bericht aus der Markthalle in HH 2016

Der dichte Nebel, der uns, seit wir an Neuruppin vorbeigefahren sind, begleitet, bereitet mir Sorge. Wenn sich das noch weiter zuzieht, fahren wir am Ende an Hamburg vorbei. Das wäre blöd. Ich muß an die Pothead-Konzerte denken, als wir noch selber bestimmen dürften woran wir sterben wollen und Rauchen noch überall erlaubt war. Wenn man eine halbe Stunde nach Öffnung in die Halle trat, hat man die Bühne eigentlich schon nicht mehr gesehen und konnte die Luft in Würfel schneiden.

Das war nicht gesund aber lustig. Wir Nichtraucher hatten am nächsten Tag grundsätzlich Kopfschmerzen und die ganze Wohnung stank nach den vollgequalmten Klamotten. Das war dann zwar nicht mehr lustig, sorgte aber für eine gewisse Nachhaltigkeit des Konzerterlebnisses. Bei einem richtig guten Rockkonzert vermisse ich die vollgequalmten Hallen. Alle paar Wochen mal nicht auf seine Gesundheit zu achten, kann auch einen durchaus reinigenden Effekt haben. Man verpimpelt nicht so … Aber ich verplaudere mich ... Kurz vor Hamburg kämpft sich die Sonne durch und der Nebel wabert davon. Unser Hotel liegt in St. Georg. Wir kommen offensichtlich zur Haupt-Einkaufszeit an und müssen uns durch Massen von Kleinst- und Großkriminellen, desillusionierten Halb-Erwachsenen mit Migrationshintergrund und Otto-Normal-Verbrauchern aus allen Ländern dieser Welt durchkämpfen. Nach dreistündiger Autofahrt durch Nebelwände, die einen von der Außenwelt abgeschnitten hatten, benötige sogar ich, eine uralte Berliner Großstadtpflanze, einen Moment der Orientierung und fremdel für kurze Zeit. St. Georg scheint zu 2/3 nur aus Hotels (und Parkhäusern) zu bestehen und so beschäftigt mich die Frage, wo diese vielen Menschen eigentlich wohnen. Das Haus unseres Hotels ist gefühlt zwei Meter breit, tut aber sehr herrschaftlich. Drinnen ist es nett und sauber und der Lichtschacht, in den wir aus unserem Kellerfenster gucken, ist liebevoll bemalt mit Segelschiffen auf dem Meer. Wir erinnern uns daran, dass es billig ist und finden alles angemessen und ok. Um kurz vor fünf entern wir die Markthalle und stoßen auf eine ruhige Geschäftigkeit. Um 6 ist der Merchstand fertig und Siggi und Jenni stehen vor dem seltsamen Problem, dass sie Zeit haben. Um halb 7 ist auch der Soundcheck durch und auch die Crew muß nun sehen, wohin mit der Hyperaktivität. Die ersten Bierchen gehen an den Start, allerdings wird mehr angestoßen als getrunken. Zeit zum Quatschen!

Als um 21.00 Uhr Pothead die Bühne entert, ist die Halle sehr gut gefüllt. Diesmal sind mehr als 700 Leute am Start – wieder ein paar mehr als noch im letzten Jahr. Für das Publikum nur wenig sichtbar: die Markthalle hat sich aufgebrezelt und Geld in neue Technik und neue Beleuchtung gesteckt. Auch Siggis Stand erstrahlt in einer neuen Beleuchtung. Auf die Hamburger ist Verlaß: Kauffreudig und von Anfang an guter Stimmung. Unter diesen guten Voraussetzungen ist es eine logische Konsequenz, dass wir einen schönen Abend mit einer gutgelaunten Band erleben. Schade, dass dann alle am Ende des Abends zwar freundlich aber meiner Meinung nach etwas zu eilig von der Security aus der Halle gekehrt werden. Hier wäre auch noch ein wenig nordische Gemütlichkeit angesagt gewesen. Die gönnen wir uns dann Backstage. Durch die Räumungsaktion haben auch Siggi und Jenni zeitig Feierabend und zum zweiten Mal an diesem Tag haben wir Zeit zum Quatschen. Ein einzelner kleiner Schüttelreim versucht den Abend auf Backstage-Party-Niveau zu bringen, wird aber ignoriert. Wir gucken lieber Robert beim Essen zu, erzählen uns Geschichten über abgelaufene Lebensmittel (das Backstage-Bier war noch eine EM-Fan-Edition und so kurz vor knirsch) und denken an (für immer) Abwesende. Dann wird es uns fast zu gemütlich und Siggi wird daran erinnert, dass sie noch gar nicht zum Aufbruch gemahnt hat. Diesmal vergeht zwischen dem Ruf zum Aufbruch bis zum realen Gehen tatsächlich nicht mal eine Stunde.

Nach einem für uns wenig arbeitsreichen aber sehr netten Abend und einem dann doch recht kurzen Schlaf in unserer Kellerkabine cruisen wir bei recht schönem Wetter über die Autobahn als das Handy klingelt: Wir erfahren, dass die Potheads bereits in Berlin angekommen sind – leider ohne Jürgens Handy. Das liegt noch im Rasthof Prignitz. Da sind wir natürlich grade vor 5 Minuten vorbeigefahren. Aber was macht man nicht alles für nette Menschen, die für die Lieblingsband arbeiten. Also runter von der Autobahn, wenden, zurück fahren, vier Ausfahrten und eine Baustelle später wieder wenden und beim Rasthof das Handy holen – schnell noch einen Burger für den kleinen Hunger naschen und dann wieder weiter Richtung Heimat. Alles in allem gute 1 1/2 Stunden. Wer darüber nachdenkt einen Fanclub zu gründen, sollte beachten, dass man dafür viel Zeit braucht ... :-)

Fotos: flickr.com

Konzert-Bericht aus dem Waschhaus Potsdam 2016 von Potbert

»High Voltage« im Waschhaus Potsdam

Nach langer Anreise sind meine bessere Hälfte und ich gespannt, ob sich die Prophezeiung der POPHEADS erfüllen würde, dass sich hier jeder Besuch besonders lohnt. Was wir dann erleben durften, hat alle Erwartungen weit übertroffen. Erst die tolle Location, dann ein energiegeladenes Konzert vom Feinsten.

POTHEAD legt einen Auftakt hin, wie wir ihn selten erlebt haben. Die Jungs stehen unter High Voltage und spielen, wie von der Leine gelassen. Der Funke springt sofort auf das Publikum über, it´s Rocktime. POTHEAD hat sichtlich Spaß, der Sound kommt wie aus einem Guss. BRAD und JEFF in bester Spiellaune werden von ROBERT´s Trommelfeuer getrieben, der die Stöcke schwingt, als wäre nie etwas gewesen, Hut ab ! Das Rock-Volk ist super drauf, alle in Bewegung, jeder Song wird frenetisch gefeiert. Mit den ersten Akkorden von BLACK WAR gibt es dann kein Halten mehr, die Fans gehen teilweise ab, wie einem Punkkonzert. POTHEAD kommt ohne drei Zugaben nicht von der Bühne, wobei der letzte Song den Fans Rätsel aufgibt: »Der ist neu, oder?«; »Kennt den Song jemand, der war ja geil?«. Vielleicht löst sich das Rätsel ja auf der nächsten CD, auf die wir alle sehnsüchtig warten. Auf jeden Fall ein toller Schlusspunkt für ein Hammer-Konzert. Die gute Stimmung des Abends setzt sich bei der Aftershow fort. In einem großen Sitzkreis um einen kleinen Tisch wird die Show ausgiebig gefeiert und viel gelacht. Die tolle Waschhauscrew hatte alles bestens vorbereitet. Bleibt nur noch unser herzlichster Dank an POTHEAD, SIGGI, die CREW und nicht zuletzt die beiden POPHEADS. Rock on, let´s rock!

Konzert-Bericht aus dem Waschhaus Potsdam 2016

Zuweilen klingt auch Harfe schön
nur hat sie leider scharfe Höh`n
Da hören wir viel lieber Bass
Und trinken dazu Bier vom Fass
Wir haben keine Zeit für Gläser
Es fehlen uns vom Blech die Bläser
Lass Bier in die Posaune laufen
dann kannst du je nach Laune saufen
Doch Brad dem Sänger gelang
manch wunderbarer Liedgesang
Nun applaudiert dem Liedersänger
dann spielt die Band auch wieder länger

... warum wir gnadenlos vom Schüttelreim zum schlecht Gedichteten übergehen, was der ganze Quatsch überhaupt soll und warum ich mich am Sonntag wie Gunter gefühlt habe, könnt Ihr lesen, wenn ihr auf den kleinen roten Pfeil klickt...

Samstag, 15.10.16, 12.00 Uhr: »Das bisschen Haushalt ...« sagt mein Mann und fährt schon mal vor, um Pothead beim Kisten schleppen zu helfen. Ich kämpfe mich durch den halb renovierten Flur zur Küche durch und tue was getan werden muß. Ein paar Stunden später mache ich mich dann auf den Weg zu »unserem« heißgeliebten Waschhaus. Abgesehen davon, dass wir bestechlich und einem guten Cuba Libre nicht abgeneigt sind, ist das Waschhaus nun mal eine sehr schöne Location. Die Anreise ist kurz, die Crew ist super nett und so sind alle sehr entspannt als ich eintrudle. Mein iPad ist bereits am Start, damit die heutigen Fußballspiele verfolgt werden können. Es wird ein wenig geklagt über Muskelkater vom Hebeln an der Button-Maschine und raue Finger vom Plakate rollen. Ansonsten sind aber zur Abwechslung mal alle gesund.

Der Soundcheck lässt uns aufmerken und wir werfen schnell einen Blick auf die Setliste. Die Neu-Veröffentlichung der »Pot Of Gold« wirft ihre Schatten voraus. Die neu ausgegrabenen alten Stücke treiben später beim Konzert ganz schön. Ein einzelner Herr in der dritten Reihe fordert am Anfang noch mehrmals »ENERGIE« ein, weil er 27 € an der Abendkasse bezahlt hat, verstummt dann aber und überlässt sich lieber einem (fast) rhythmischen Armwedeln und einem glücklichen Dauergrinsen. Auch die »drink more beer«-Rufe hören irgendwann auf – des Geistes Sinn kann eh nur als bierseelig abgetan werden. Am Ende gibt es noch einige Zugaben, eine davon wieder einmal schön gejammt und wir können wieder spekulieren, ob das was Neues war. Alle sind zufrieden, hier und da wird sogar bemerkt, das wäre eines der besten Konzerte gewesen.

Bei einem kühlen Bierchen schauen wir später der Crew beim Bühnenabbau zu und feuern sie an – schließlich wollen wir ja noch unseren inzwischen schon traditionellen Bühnen-Cuba-Libre trinken. Diesmal werden sogar Stühle (mit Armlehnen!) hingestellt, schön im Kreis: Das Treffen der anonymen Selbsttrinker kann eröffnet werden! Es hagelt auch gleich Vorschläge, wie wir diesen Abend in diesem Kreis niveauvoll weiter gestalten wollen: Erst einmal sollen alle ihren Namen tanzen, dann eröffnen wir das literarische Kolloquium (Thema: Bob Dylan und der Nobelpreis), dann Flaschendrehen und nackt tanzen... Allerdings kommen wir über das Vortragen von Witzen und Schüttelreimen nicht hinaus. Darum schließe ich mit zwei ausgewählten Texten dieser Art, um meinen Zustand am folgenden Mittag zu beschreiben, nachdem wir um 5.00 Uhr morgens endlich nach Hause gekommen waren:

Die Boxer in der Meisterklasse zerschlugen sich zu Kleistermasse. Aus diesem großen Massenkleister erhob sich dann der Klassenmeister. Und:

Alle Kinder hüpfen auf der Betonplatte – nur nicht Gunter, der liegt drunter. (Brüller, oder?)

Rock On, Ihr Lieben – und an alle, die sich grade das schöne Pothead-Vinyl gekauft haben: Bewahre deinen Plattenschatz an einem kühlen Schattenplatz!

Fotos: flickr.com