Konzert-Bericht aus dem Waschhaus Potsdam 2016

Zuweilen klingt auch Harfe schön
nur hat sie leider scharfe Höh`n
Da hören wir viel lieber Bass
Und trinken dazu Bier vom Fass
Wir haben keine Zeit für Gläser
Es fehlen uns vom Blech die Bläser
Lass Bier in die Posaune laufen
dann kannst du je nach Laune saufen
Doch Brad dem Sänger gelang
manch wunderbarer Liedgesang
Nun applaudiert dem Liedersänger
dann spielt die Band auch wieder länger

... warum wir gnadenlos vom Schüttelreim zum schlecht Gedichteten übergehen, was der ganze Quatsch überhaupt soll und warum ich mich am Sonntag wie Gunter gefühlt habe, könnt Ihr lesen, wenn ihr auf den kleinen roten Pfeil klickt...

Samstag, 15.10.16, 12.00 Uhr: »Das bisschen Haushalt ...« sagt mein Mann und fährt schon mal vor, um Pothead beim Kisten schleppen zu helfen. Ich kämpfe mich durch den halb renovierten Flur zur Küche durch und tue was getan werden muß. Ein paar Stunden später mache ich mich dann auf den Weg zu »unserem« heißgeliebten Waschhaus. Abgesehen davon, dass wir bestechlich und einem guten Cuba Libre nicht abgeneigt sind, ist das Waschhaus nun mal eine sehr schöne Location. Die Anreise ist kurz, die Crew ist super nett und so sind alle sehr entspannt als ich eintrudle. Mein iPad ist bereits am Start, damit die heutigen Fußballspiele verfolgt werden können. Es wird ein wenig geklagt über Muskelkater vom Hebeln an der Button-Maschine und raue Finger vom Plakate rollen. Ansonsten sind aber zur Abwechslung mal alle gesund.

Der Soundcheck lässt uns aufmerken und wir werfen schnell einen Blick auf die Setliste. Die Neu-Veröffentlichung der »Pot Of Gold« wirft ihre Schatten voraus. Die neu ausgegrabenen alten Stücke treiben später beim Konzert ganz schön. Ein einzelner Herr in der dritten Reihe fordert am Anfang noch mehrmals »ENERGIE« ein, weil er 27 € an der Abendkasse bezahlt hat, verstummt dann aber und überlässt sich lieber einem (fast) rhythmischen Armwedeln und einem glücklichen Dauergrinsen. Auch die »drink more beer«-Rufe hören irgendwann auf – des Geistes Sinn kann eh nur als bierseelig abgetan werden. Am Ende gibt es noch einige Zugaben, eine davon wieder einmal schön gejammt und wir können wieder spekulieren, ob das was Neues war. Alle sind zufrieden, hier und da wird sogar bemerkt, das wäre eines der besten Konzerte gewesen.

Bei einem kühlen Bierchen schauen wir später der Crew beim Bühnenabbau zu und feuern sie an – schließlich wollen wir ja noch unseren inzwischen schon traditionellen Bühnen-Cuba-Libre trinken. Diesmal werden sogar Stühle (mit Armlehnen!) hingestellt, schön im Kreis: Das Treffen der anonymen Selbsttrinker kann eröffnet werden! Es hagelt auch gleich Vorschläge, wie wir diesen Abend in diesem Kreis niveauvoll weiter gestalten wollen: Erst einmal sollen alle ihren Namen tanzen, dann eröffnen wir das literarische Kolloquium (Thema: Bob Dylan und der Nobelpreis), dann Flaschendrehen und nackt tanzen... Allerdings kommen wir über das Vortragen von Witzen und Schüttelreimen nicht hinaus. Darum schließe ich mit zwei ausgewählten Texten dieser Art, um meinen Zustand am folgenden Mittag zu beschreiben, nachdem wir um 5.00 Uhr morgens endlich nach Hause gekommen waren:

Die Boxer in der Meisterklasse zerschlugen sich zu Kleistermasse. Aus diesem großen Massenkleister erhob sich dann der Klassenmeister. Und:

Alle Kinder hüpfen auf der Betonplatte – nur nicht Gunter, der liegt drunter. (Brüller, oder?)

Rock On, Ihr Lieben – und an alle, die sich grade das schöne Pothead-Vinyl gekauft haben: Bewahre deinen Plattenschatz an einem kühlen Schattenplatz!

Fotos: flickr.com

Mit Pothead in Rostock 2016

Warum Robert die 1. Wahl und wir nur die 2. Wahl sind und warum am Ende alle nur auf die Dritte Wahl gewartet haben, erfahrt ihr, wenn ihr auf den kleinen roten Pfeil klickt....

Samstag, 03.09., in Berlin: 26°C, die Sonne scheint, ein paar Schäfchenwolken haben es sich am strahlend blauen Himmel bequem gemacht. Heute ist viel los in der Stadt: Radio Eins feiert Parkfest, unser Kiez feiert sich selbst, auf dem Maifeld ist ein Poloturnier und in Lichtenrade findet ein Mopsrennen statt. Abgesehen von diesem möglichen Tagesprogramm verwandelt sich sowohl unser Garten als auch die Wohnung grade in ein eigenständiges Biotop. Beides müßte eigentlich mal wieder ausgiebig gepflegt werden. 1000 Gründe um mal wieder ein Wochenende zu Hause zu verbringen. Konsequenter Weise stehen wir daher im Stau auf der A19 auf dem Weg nach Rostock. 20°C, der Himmel ist grau, es fängt an zu nieseln und mein Mister motzt jedem Auto hinterher, das sich nicht an das korrekte Reisverschlußverfahren vor der Baustelle hält.

Hinter der Baustelle juckeln wir in einem relativ gechillten Tempo weiter; wir sind zeitig losgefahren und haben es nicht eilig. »Guck mal da….!!!!!« schreit mein Mister plötzlich. Ich gucke und rufe, was ich schon immer mal rufen wollte: »Folge diesem Auto!« Zum Glück sind wir jetzt in einem Alter, in dem einem nix mehr peinlich ist und wir uns ein Polizeifoto leisten können, daher tritt mein Mister aufs Gaspedal und hetzt dem Pothead-Bus hinterher. Unsere Lieblingsband ist spät dran, wir haben Mühe zu folgen. Kurz vor dem Ziel wird es dann albern: Wir müssen zur Bühne des IGA-Geländes, die Adresse ist: Groß Kleiner Damm, eine Hausnummer gibt es nicht. Das versteht kein Navi, unseres nicht und das von Pothead auch nicht. Also muß mehrmals gewendet werden, bis der Eingang plötzlich und unerwartet doch noch gefunden wird. Jetzt zahlt es sich aus, den Bus so groupie-mäßig verfolgt zu haben, können wir doch mitfahren und parken gleich hinter der Bühne – cooooool! Nach einer freudigen Begrüßung bekommen wir von Siggi gleich unsere Pässe: Einen für Backstage (steht »AAA« drauf, warum auch immer) und einen Fotopaß. Damit sehen wir jetzt auch noch cool aus: Wir sind die Einzigen, die mit zwei blauen Riesenklebern auf unseren T-Shirts rumrennen. Wir kommen uns sehr wichtig vor – tatsächlich ist es wohl eher albern und wir machen uns voll zum Hirsch. Aber es gibt noch eine Überraschung: Jürgen muß gleich nach dem Konzert weiter, weil in Schwerin auch noch Arbeit auf ihn wartet (!!!) und nun ist ein Zimmer frei! Eigentlich wollten wir ja wieder nach Hause fahren, aber so ...

Das Problem des fehlenden Übernachtungs-Equipments schieben wir mal beiseite. Ich schiele ein wenig zum Merch von Dritte Wahl. Die haben so viel, vielleicht ja auch Unterwäsche? Aber will ich wirklich einen Schlüpfer anziehen auf dem »Dritte Wahl« steht??? Nee, dann lieber dreckig an den Frühstückstisch. (…An dieser Stelle kann sich jeder ja mal Gedanken machen über die Gestaltung von Pothead-Unterwäsche ...)

Vor lauter Coolness vergessen wir fast, weswegen wir uns doch noch spontan zu diesem Konzertbesuch entschlossen hatten: Robert wird heute wieder an den Drums sitzen! Coole Leute können sich coole Fragen leisten und so eröffnen wir mit: »Na, bist Du schon aufgeregt?« Nun ist Robert ja Leid gewöhnt, außerdem ein sehr freundlicher, humorvoller Mensch und wir werden nicht die Letzten sein, die ihm heute diese Frage stellen. Natürlich ist er – noch  – nicht aufgeregt und die Hände sehen nicht nur wieder ganz ok aus, sie sind auch wieder gut in Form. Ist jetzt alles nur noch eine Frage der Ausdauer. Da ist es gut, mit einem 70-Minuten-Gig anfangen zu können. Um 19.30 Uhr können wir uns dann davon überzeugen, dass alles wieder gut ist: Robert ist wieder da und knallt uns mit lässiger Eleganz die Pothead-Beats um die Ohren, als wäre nie etwas gewesen. Wir sind begeistert. Offensichtlich nicht nur wir. Jedenfalls gibt es viel Applaus und eine Zugabe muß auch noch her – mehr ist nicht drin, schließlich ist das ja eigentlich der Abend von Dritte Wahl.

Teil 2:

Viel Zeit ist nicht für den Umbau der Bühne. Innerhalb einer Viertelstunde muss das Pothead-Equipment runter und die Sachen von Dritte Wahl rauf auf die Bühne. Die Banner müssen getauscht werden, ein Vorhang wird angebracht. Gefühlt 100 Leute rennen auf, neben, hinter und vor der Bühne hin und her. Es ist keine Zeit, alles ordentlich zu verstauen. Roberts Schlagzeug wird so runtergetragen wie es ist. Hinter der Bühne entsteht ein wildes Durcheinander. Es ist zwar dunkel aber ich kann erahnen, wie Jürgen, Kai und Steffen mit den Augen rollen und die Stirn kräuseln. Hilft aber nix. Als alles von der Bühne runter ist, wird erstmal durchgeatmet, eine Zigarette geraucht, am Bierchen genippt und dann in aller Ruhe alles ordentlich eingepackt. Ich will nicht immer im Weg rumstehen und geh mir Dritte Wahl anschauen. Vor der Bühne ist gute Stimmung. Ich falle wahrscheinlich gleich auf, weil ich die Texte nicht kenne und daher nicht mitsingen kann. (Aber mit meinen zwei Pässen bin ich ja sowieso zu cool zum Mitsingen …) Es gibt Kanonen mit Papierschlangen und Konfettiregen. Dann kommt auch noch Storch Heiner um alle daran zu erinnern, was passieren kann, wenn man nicht zur Wahl geht. Sänger Gunnar bittet nochmal alle eindringlich jeden, etwas gegen den drohenden Rechtsruck zu tun. Hier sind alle damit einverstanden und nun auch hoffentlich entsprechend motiviert. Nach diesem kurzen und wichtigen Break wird weiter gefeiert – um 23.00 Uhr muß Schluß sein, ist schließlich Open Air.

Wir fahren dann auch bald alle ins Hotel – dabei fällt dem super-großstädtischen Berliner auf, dass auch andere Städte groß sind. Wenn man mitten in der Nacht nach einem anstrengenden Tag das Gute-Nacht-Bier rufen hört, ist der Weg vom IGA-Gelände Rostock zum City-Hotel Rostock erstaunlich lang. ...

Wir trinken das selbst mitgebrachte Scheide-Bierchen in der nur spärlich beleuchteten Hotel-Empfangshalle. Hier gibt es ein »Lounge« mit tollen Drehstühlen (Siggi und mein Mister sind ständig in Bewegung) und eines von diesen ach so modischen geschwungenen Lounge-Sofas. Ich erwische den Teil, der besonders tief ist, versuche mich halbwegs elegant an das Rückenkissen zu lehnen und sinke innerhalb von ein paar Minuten damit immer tiefer, bis ich in einer sehr besoffenen Stellung quer wegrutsche. Ich setzte mich auf das Kissen und überrage damit alle anderen um einen ganzen Kopf. Wer designt eigentlich so´n Quatsch? Und wer kauft diesen Scheiß? Na egal, nach dem einen Gute-Nacht-Bierchen haben wir jetzt sowieso alle Bettschwere. Mein unter falschem Namen angemeldeter Mister nimmt sein Groupie mit in sein Einzelzimmer (Rock´n Roll!) und wir versuchen nach Jahrzehnte lang andauernder Ehe das erste Mal mit einer Bettdecke zu schlafen (in gewisser Weise auch Rock´n Roll).

Am nächsten Morgen klingt mir noch Siggis euphorische Ankündigung im Ohr: »Ihr könnt das Zimmer haben, dann könnt Ihr auch duschen!« … Ja … toll … ich hab ja nicht mal ´ne Haarbürste mit (die Zahnbürste konnte wenigstens durch einen Kaugummi ersetzt werden), geschweige denn Creme um meine nach der Dusche knisternde Haut wieder geschmeidig zu machen. Und wie viel Sinn macht ein gut riechender Körper, wenn man die alten Klamotten drüber zieht? Also, da bin ich dann konsequent: wenn schon scheiße, dann richtig. Also nur Katzenwäsche und das Gesicht mit der Handcreme aus der 0,50 Cent Minitube eincremen und dann ab in den sehr vollen Frühstücksraum ...

Fotos: flickr.com

... und wer ist eigentlich der Keyboarder?

Konzert-Bericht aus Balve 2016

Drei Jahre ist es her, als Pothead in Balve gespielt hat. Damals war schon klar, dass das nicht das letzte Mal gewesen sein wird. Nun also ganz spontan und sozusagen im Galopp als »Ersatz« für UFO, deren Sänger plötzlich erkrankt ist. (Soweit wir wissen zum Glück nix Schlimmes. Der Leistenbruch sollte inzwischen wieder repariert sein.)

Erstaunlicherweise ist die Mannschaft trotz der engen Terminplanung fast komplett. Nur Kai musste passen, dafür ist Leppi mit an Bord.

Um 7.00 Uhr sind die Autos gepackt und es geht los: 5 Stunden durch Baustellen und über viele Hügel.

Die Leute von Jane heißen Pothead besonders herzlich willkommen und treten Ihnen gleich mal ihren Soundcheck ab, um einen bequemeren Ablauf zu gewährleisten. Also erst noch die Arbeit und dann ab ins Hotel.

Hier gibt es ein lustiges Zimmer-Karussell. Pothead benötigt wohl ein Zimmer mehr als für UFO gebucht waren, und so muss Leppi als Jüngster in der Runde ganz nach oben ins Zimmer "0". Ein Zimmer, dass nur in Notfällen vermietet wird. - An dieser Stelle bin ich doch gleich wieder ganz traurig nicht dabei gewesen zu sein:  Kann ich mir sie mir doch gut vorstellen, die ganzen dummen Sprüche, die Leppi sich hat anhören müssen ... der arme Poet :-)

Als kurzfristiger Ersatz aufzutreten ist an sich ein eher undankbarer Job, steht man doch einem Publikum gegenüber, dass eigentlich für eine andere Band bezahlt hat. Und so bleiben, als unsere Jungs auf der Bühne stehen, ein paar Zwischenrufe nach UFO natürlich nicht aus. Gut, dass Pothead an dieser Stelle grade bei »Come on« angekommen sind und Brad mit einem freundlichen »Hey Motherfucker« antworten kann, ohne gleich persönlich werden zu müssen. Zum Glück kann man sich auf die Pothead-Fangemeinde aber immer verlassen: Ein paar Fans finden immer Zeit und Möglichkeiten auch spontan ihre Lieblingsband zu unterstützen. In diesem Fall ist unsere Sauerländische Camper-Family von ihrem Spanien-Urlaub eben nicht gleich nach Hause gefahren, sondern hat sich erst noch auf nach Balve gemacht. Das Pothead-T-Shirt gehört ja sowieso in jeden ordentlichen Urlaubskoffer.

Brad, Jeff und Bert sind aufgrund der echt tollen Atmosphäre, den netten Gastgebern und der Anwesenheit einiger Pothead-Fans nun auch so richtig in Spiellaune und haben ihren Spaß,  Bert macht sich mit seiner wehenden Haarpracht sehr gut und so finden sich nach dem Konzert ein paar Pothead-Ersthörer bei Siggi am Merchstand ein. Ziel erreicht und Spaß gehabt. Was will man mehr ... wenn da bloß nicht noch die Rückfahrt wäre ... über Hügel und durch Baustellen. ...

P.S. an alle, die Pothead in Balve gesehen haben und sich über den »Keyboarder« gewundert haben: Das war Leppi und der hat natürlich nicht Keyboard gespielt sondern seine Aufgabe als Backliner voll konzentriert wahrgenommen ...

Fotos: flickr.com

Konzert-Bericht aus Gößnitz 2016 von LiNa

…Gößnitz?! Wo liegt eigentlich diese kleine und unbekannte Stadt Gößnitz?! Mit dieser Frage beschäftigte ich mich seit dem Zeitpunkt, wo Siggi mich anrief und mich fragte, ob ich nicht zufällig Lust und Zeit hätte, mit Pothead und Crew zum Open Air zu fahren!

Ich sagte einfach spontan ja, denn ich stellte überraschend fest, dass ich sogar zwei Tage am Stück frei hatte. So ging es also Freitag gegen 13:30 Uhr zum Treffpunkt ins Büro, die Autos wurden eingewiesen, das Packen ging los, eine kurze Einweisung darüber welche Kiste und welche Koffer in welches Auto verstaut werden dürfen, ein kurze Überlegung, wer denn fährt und wer wo mitfährt… All die Fragen geklärt, ging es weiter zum Studio, denn ohne Schlagzeug geht ja bekanntlich gar nix auf einem Festival!

Nach millimetergenauem Drehen und Wenden auf den engen zugeparkten Hinterhöfen Berlins ging es dann in Richtung Autobahn! Beim Eingeben unserer Zieladresse stellten wir nach wenigen Sekunden fest, mit unserer Wunschroute 2 1/2 h mehr einplanen zu müssen… Stau, Stau, Stau… Aber viele Köpfe und Meinungen stimmten schließlich für Plan B. Also los, eine andere Strecke, mit etwas weniger Stau, raus aus Berlin und ab nach Gößnitz…Auf der Fahrt bildete ich mich übrigens etwas weiter in meinen geographischen Kenntnissen: Gößnitz ist die bevölkerungsmäßig kleinste und flächenmäßig zweitkleinste Stadt im Landkreis Altenburger Land in Thüringen.

Im Hotel angekommen checkten wir alle fix ein, suchten unsere Zimmer auf, Sack und Pack wurde sortiert und dann gab es schließlich für die meisten einen leckeren Angus Burger, damit wir auch alle eine gute Grundlage für den Abend haben Auf den letzten Metern bis zum Festivalgelände sammelten wir schließlich noch jemanden ein, der uns den staufreien Weg zum Gelände zeigte. Rund herum um das Festivalgelände sind nur so nebenbei ein großer Sportplatz und direkt die Bahngleise. Denn Gößnitz ist bekanntlich ein Eisenbahnknotenpunkt. Das Auto ist geparkt … Die Sonne scheint … Die Pothead´s verschaffen sich einen Überblick von Bühne, Mensch und Co. Siggi und ich checkten erst einmal den möglichen Stand für den Merch ab. Die Vorbereitungen laufen… Im Eiltempo wird der Stand mit Postern, CD´s, Shirt`s, Jacken, Buttons und vielem mehr aufgebaut, da kommen auch schon die ersten neugierigen Gesichter und lassen sich überhaupt nicht abwimmeln. Wir werden demzufolge immer schneller und sortieren, kleben, ordnen. Es dauerte nicht lange, der Stand steht, das erste Bierchen ist geöffnet, da ging es los mit interessierten Käufern, neuen Fans, alten bekannten Gesichtern, die ersten Artikel gehen über den Tisch…

Nach ein paar klangtechnischen Kostproben oder eher gesagt, ein kurzer Sound Check, erklingen pünktlich um 22:47 Uhr die ersten Töne von POTHEAD. Die Menge tobt, die Leute sind einfach nur mega gut drauf… Was will man mehr… Und all das ohne Unwetter, Sturm und Regen … 90 Minuten POTHEAD LIVE ON STAGE! Die Jungs sind zufrieden, spielen einfach einen Song nach dem anderen … Das bunt gemischte Publikum scheint mehr als zufrieden zu sein mit der Setlist. Mit Siggi genieße ich den Abend hinter`m Stand, führe nette Gespräche mit super coolen Leuten.  Ein Fan war so begeistert, dass er einfach alle CD`s käuflich erworben hat.

Ein musikalischer toller Abend. Viel zu schnell zu Ende … Im Anschluss an Pothead lauschten wir noch den musikalischen Klängen von INUTERO und DIE SKEPTIKER.

Gößnitz - DU HAST GEROCKT!!! Ein tolles Festival …

Konzert-Bericht aus Stralsund 2016

Der Tag der vergessenen Dinge

Es hat soooo schön begonnen. ... Selbstständig, freiwillig und ausgeschlafen werde ich um kurz vor 8.00 Uhr wach. Mein Mister schnarcht noch. Ein bisschen Nase stupsen und im Ohr bohren und schon ist er bereit mit Lotte Gassi zu gehen und Brötchen mitzubringen. Nach einem gemütlichen Frühstück werden die Balkonpflanzen versorgt, ein bisschen in der Wohnung herumgeräumt, in Ruhe die Taschen gepackt. Unfassbar: Der kleine Hund hat eine eigene Tasche für Futter, Bürste, Spielzeug und eine Tasche zum Schlafen. Eine Tasche ist voll mit der Technik und dem Topfkopf-Kram und eine Tasche für unsere Klamotten. Macht also 4 Taschen für eine Übernachtung. Paris Hilton reist mit ähnlich viel Gepäck ...

Um 12.15 Uhr freue ich mich grade darüber, wie toll wir in der Zeit liegen. Noch schnell eine Klorunde, dann kann es losgehen – da klingelt das Handy ... im Display steht: ... Siggi ... Ahhhhhhhh, kreisch, da ist wieder was passiert, jemand hat sich in der Bustür geklemmt, beide Beine gebrochen, den Zeh zertrümmert, weil eine Kiste draufgehalten ist, irgendwas ist passiert ... »Hallooooo Siiiggggiiii....???.....« »Hallo! – Keine Angst, es ist nix Schlimmes!« – Ah, puh..! Der Blutdruck sinkt wieder. – »Brad hat seinen Anzug vergessen! Könnt ihr im Büro vorbeifahren?« Na klar, machen wir. Schließlich wollen wir Brad nicht in Unterhosen auf die Bühne schicken. ... Obwohl ... :-) ... Also, hektisches Rumgerenne, Taschen ins Auto schmeißen, Lotte schnell noch auswringen und dann ab in die Mitte Berlins zur besten Verkehrszeit – um 10 Minuten später aus dieser Mitte zur noch besseren Verkehrszeit wieder herauszufahren. Super ... macht Summasumarum 1 Stunde 15 mehr Fahrzeit. Auf der Fahrt über die Mecklenburgische Autobahn fällt uns ein, dass wir unsere Jacken vergessen haben.

17.00 Uhr, Eisengiesserei, ab jetzt copy-and-paste: Die Herren auf der Bühne haben wieder was mit den Ohren. (Hatten wir letztes Jahr schon) Diesmal knackt irgendwas, die Kabel werden geprüft ...

Wir haben Kuchen mitgebracht (wie im Januar im Huxleys) Da auch Robert da ist, darf er sich als erster darüber hermachen und uns zeigen, dass er mit seinen gebrochenen Händen immerhin schon wieder weichen Kuchen schneiden kann. Mit dem Schlagzeugspielen wird es aber noch eine Weile dauern. Der Kuchen hat auch heute keine Überlebenschance. Aus den Ecken schleichen sich ein paar Schokojunkies heran, die auch nach der kompletten Eliminierung des Kuchens noch weiter um Schokolade betteln.

Die Zeitplanung der Pothead-Crew ist auch nix Neues: Nach dem Konzert ab zum Ben Gunn und morgen wieder zu früh und zu hektisch mit Brausebirne nach Hause, weil einige Herren der Crew ja unbedingt am Herrentag arbeiten oder auf die Kinder aufpassen müssen. (Herrentag ist auch nicht mehr das, was es mal war...)

Nachdem das alles geklärt ist, gehen wir zu Siggi. Der Stand ist schon fast aufgebaut, Siggi schimpft: die Taschen und die Uhren fehlen! Da ist wohl ein Karton vergessen worden. Wir lehnen vorsichtshalber gleich mal ab, den Karton noch schnell aus dem Büro zu holen.

Die Knack-Suche auf der Bühne erweist sich als langwierig, weswegen sich auch der Einlass verzögert. Kurz nach 20.30 Uhr stecken wir die Lotte in ihre Box im Pothead-Bus. Sie kuschelt sich sofort ein und schläft schon als die Tür einrastet. Um 20.45 betreten die Herren Brad, Jeff und Bert die Bühne.

Die erste Reihe Publikum kommt mir sehr bekannt vor, die meisten habe ich letztes Jahr auch fotografiert. Leider haben sie andere Shirts an, copy-and-paste funktioniert hier also nicht. Die Stimmung ist auch wieder toll und zum Ende des Konzertes ist das vordere Drittel der Bühne wieder voller leerer Becher und versiffter Jacken/Pullis/Taschen. Brad klatscht ab, Jeff stößt mit allen an, Bert wird extra beklatscht. War wieder schön gewesen.

Backstage springt Brad sofort aus seinem Anzug und verstaut ihn ordnungsgemäß im Bus. Jeff allerdings vergisst das Umziehen komplett und wird später völlig overdressed in seinem schwarz-goldenen Bühnenoutfit ins Ben Gunn gehen. Vorher werden aber erst noch Bufet- und Kuchenreste weggefuttert, der Inhalt des Getränkekühlschrankes vernichtet, über Anwesende gelästert und tiefschürfende Gespräche über Tiere geführt, während Lotte den Fußboden nach Essensresten abgrast. Als ein einzelner Herr anfängt davon zu faseln, er wolle jetzt ins Licht gehen während Jürgen uns grade über die dunklen Sieten des Lebens belehrt, beschließen wir, dass es nun Zeit ist in tiefer gelegene Gefilde aufzubrechen. Ab in den Ben Gunn Keller! Sehr viele Sanddornliköre, Cuba Libres und Biere später löst sich die Gemeinde auf. Um 3.00 schleichen wir ins Hotelzimmer, wo unsere Potlotte bereits seit 2 Stunden von Hundekuchen träumt.

5. Mai, 9.34 Uhr:
Exakt eine Minute bevor wir das Hotelzimmer verlassen hätten, kackt Lotte eine riesige Wurst in einer dem Teppich sehr ähnlichen Farbe (etwa Schlammgrün). Wir machen sie natürlich weg - mit einer gewissen Befriedigung: Damit wären dann auch die 10 € Hotel-Hunde-Gebühren nicht unnütz ausgegeben worden.

Als die Zimmertür zufällt, überlege ich einen kurzen Moment lang, ob wir auch wirklich nichts vergessen haben. ...

Fotos: flickr.com